Sonntag, April 21, 2013
586
Memory, inflatibile
Die Kamera ist keine Wunderwaffe. Sag ich immer. Sag ich mir immer. Sag ich nie zu anderen. Auch nicht zu den Kameraden. Ich red nicht viel. Ich mach mir lieber ein Bild. Bunt soll es sein, das Bild. Grau wird es meistens, irgendeine Farbe läuft mir immer sauig in das Bild, so quer, so wie Gewehr, von rechts nach links, ist sowieso egal. Man macht es nicht, es macht einen. Es macht mit einem, was es will. Das Bild, das Leben, der Versicherungsvertreter. Der jetzt Vermögensberater heisst, und einen fragt, ob man ihm denn nicht vertrauen tut oder täte, oder täteräte. Beleidigt ist er dann, wegen dem Witz, wie früher die Vertreter. Oder noch früher. Man war ja auch mal jung, und dann ist es auch immer so spät geworden, so häufig, eigentlich zu spät, eigentlich viel zu spät, und was das heissen soll wissen auch nur die wenigsten, wenigstens die, die mit dem einen Fuss immer aus dem Bett, nur falls man mal schnell mal raus muss, falls es ringt oder schellt an der Tür, und kein Narr weit und breit, und nur der Türschlitz ist schmal, na wenigstens passt der Wind durch, ist auch nur Luft, auch wenn sie zieht. Mit Leidenschaft. Ja, vielleicht auch das, man muss nur tief genug graben, durch den Schutt, andere würden Müll sagen, wieder andere würden gar nichts machen, sondern sich lieber ein Bild. Schwarz. Oder Weiß. Oders, also oder anders, auf keinen Fall wie gehabt, wir hatten ja nie was so weit, immer nur gewollt, aber das sehr schön. Man muss eben mit dem was man hat. Andere tun das auch, und nicht so schön. Das wär ja noch was. Zumindest Zement. Sagt unser Nachbar, aber der mag auch Sofia Loren, und das F in seiner Stimme überschlägt sich immer vor Vorfreude, weil sie auf seinem Sofa sitzen soll, die Sofia, wenn sie kommt und ihre Mandelaugen nach ihm ausstielt, ihrem Busenfreund, der nur auf sie wartet auf seinem Sofa, aber das schon lang, sehr lang. Und sehr schön. Aber man sieht ihn nicht mehr so sehr oft, den Nachbar, nur sein F überschlägt sich noch manchmal im Treppenhaus, dem Affenhaus der Moderne, wenn die ganzen Gören und ihre halben Eltern alles auf einmal nehmen, um nur, also bloss schnell weg von hier. Man kann es verstehen, das F, wenn es sich dann überschlägt. So wird Sofia nie, und Sofa wird auch nicht schöner, oder besser. Wie die Zeit. Wie die Zeit vergeht. Als ob sie sich verirrt hätte, in dieses Haus. Wie das F. Wie Sofia. Wie der Witz. Wie das Bild. Wie die Farbe. Nur die war öfter zu Besuch. Früher. Wenn man so will.
Montag, April 15, 2013
585
Fertigdose auf Gebüsch
Sonntach, Brinzbrenzlaua Berch, Balin. Keine Grubennasen verirrn sich so frühühü ins glitzernde Gleissschmeissen des Sonnnscheinwerferlichts, bis auf die Strassnstressa, wenns mal wieder nit rassant eunuch sein kann, ey Alter, machema Platz, aber zack, ja zacki, du Stirnschnuppi uf Asfalt, oder heisst es Einphalt, oder doch wieder bloß Pinsel, weil Papi dirn Audi geliehn hat, damit du ihm Wassa reichn kannst ausm kofferraumklotz wahnsinnsbreiten Strassnkreuza, den der sich eingtlich auch nich leisten kann, und fahrn schomma gar nich, wern ja imma klotziga, die BlechhaubenhaufenBlinkeBlinker, viel zu viel Gepumpe und GEWUMPE, viel zu matsch Wintakorn mit die Muttamilch eingespritzt, dicke Hose überall, bloß die Straßn machn da nich mit, zuviel Gequatsche und Gequetsche, ausm Weg, ich bin ein Leistn- nee ein Hoffnungsträger (imma langsam, ey!), ein Offenträga, das sacht mann so wenn eim die Wampe den erstn Knopf absprengt, mann, heut musste protzn, heutzutage, sonst fangn die an zu denkn, die andern, hast gesehn, mann kann kannnich mehr, hat seine Karre schon abgehm müssn, nüscht mehr los mit dem, ja mann muss protzn, der Kriech is schließlich nich mehr so gail, die Tage. Statt den Kamaradn falln jetzt ehm die Haare, un das Licht wechst aufm Kopp, wo früha die Krohn war, da is jetzt nur noch der lichte Schein unter die Kapp. Muss mann ehm wieder mit die Karosse protzn, kuckma meine Ferde!
(Ohne Schawengel läuft aber nicht mehr viel, alta!)
Sonntag, März 31, 2013
584
Le grand Humbug
Zinsberg, Zinsberg, alle ins Versteck. Sin die Kinnas schon wach? Nee, die sin wech, Flaschn sammeln. Dabei hamm se doch hier genuch. Ja, genuch hamm wir ooch. Vom Lehm, vom Strehm, vom Klebn. Imma die gleiche Laia, imma dieselbe Tuur, un nichma Tuur deFrons, wie unsa Nachba sacht. Der Nachba saacht imma: numma halblang. Was kein Wunder is von die Nachba, schliesslick wohnt die Gesell in Hochparterre, manchmal kuckt einen nur der Kopp an, bei unsere Fussgestell. Und das is vielleicht ein komisches Gedings, ein Kopp, der einen anlugt, untn bei die Fussgestell. Wie gehts, will man da gar nich fragn. Vielleicht eher fußballn, aber nee, kommt gar nicht in den Korb oder die Tüte, ist netta Nachba. Also meistns. Aussa wenna drängt, also dringt, nein trinkt. Eingtlich trinkta öfta, eingtlich trinkta den gansn Tag, bis die Nackt in sein Kopp dringt, und ihn das Gefühls bedrängt. Ist abba ne andere Geschicht (Waterloo). Zurück zum Klebn. Die Kinnas warn also da un hamm die ganse Buda vaklebt. Mit ihrm Schrein, un mit ihrm Scharm, un mit unserm Klebsband. Nu sin wia am Entklebn. Obwohl man eingtlich Kunst drausse machn könnt, ausm Klebn mittn im Lehm. Die janze Buda vollgeklebt, also von innn, un von aussn son Kuckuckeraccia dran. Wegn die Ironie, die eiserne. Kommt ja nich so oft ans Licht, die Ironie, die eiserne. Iss ja meistns nur SpeichlSpott, oda ÄtzGeifa. Muss ma sich hinnaher imma woschn, oda waschn. Oda vornewech das Gummizeuch anzwängn. Aba das is ooch nur ne annere Geschicht. Un Geschichtn wern von Siegan gemacht. Nich von uns. Wia lern se nur. Di Geschichtn. Vonne Staakn un Schönn, vonne Reichn, un vonne Biriemtn. Was allet so im Lehm vorkommt, am bestn, wir fragn ma den Nachba, mit seim PflastaKoppOrakel. Numma halblang! Ja, ich hörschon. Ich hörschon auf.
Mittwoch, März 06, 2013
583
Lederluden von lechts (oder rinks, tut bloß nichts zur Sache, aber so gar nich!)
Ist immanoch wie Herbst hierherunten, tief im Loch, im Schlaglöchloch, wo einen irgndwannmann der letzte Kiesel trifft, und wo das Loch in der Tasche kein Loch mit der Hose ist sondern etwas das „man ganz privat mit sich selber ausmacht“, aals kein Problem, während am HoHorizont der elektrische Reiter auf- und niederwippt, weil er seinen Stecker sucht oder seinen Hund oder das Pferd welches wo? In Rumanien, auf dem falschen Lastwagen landete, nur wegen einer falschen Abbiegung, welches Pferd spricht schon rumanisch. Kann man alles so oder so sehen, oder sagen, oder sutzeln, durch die Sähne, gans sart. Sartes Ferdefleisch. Oh, bevor ichs vergesse...zu spät. Aber immerhin gibts immer noch den Hoffnungsschimmer, da kann man mal sehn. Oder sich den Achilles andehn. Oder sich einfach mal so moodenderisch kreutz- und klötenweise in den linsenteppichgrünen Gedankenteich sacken lassen, aber ach, dann ist es doch wieder nur ein schlammiger Pfuhl. Von wegen Knöterich, hier haust der Kröterich, heisst nicht nur so, sonnern waazt sich durch bis in die letzte Korner. Ich bin weiss, mein Herz ist grün, kann mal sühn, wie viel mir von morngs bis früh Dreck am Stecken, also klebt. Ja die Altvordern (die Hinteren auch), die sinn noch durchs Blut gewatet, nich das eigne leider, uns bleim da gottseisgedank nur die abgebrühten Socken. Sagt man doch so leicht, dass man völlich von die Socken ist, aber wenn man keine hat, oder die große Wäsche wieder nicht funktioniert, oder was red ich denn, gleich kommt der Puss, der Omnipuss, oder muss man die sagen, gleich kommt die Omnipussy, Oktopussy, quatsch, soviel Gebeine, was wären das denn dann für Hosen. Ja klar, bei den Krakerlaken muss das Arme heissen, aber wo solln denn in diesm Land noch Arme sein. Wir sind doch satt und supa sufriedn. Durch die Sähne gessprochen, gelisspellt wie es nur ein Satter kann, oder eine Satterin. Satturated, thats watt we are. Licht an! Geschnallt? Nee. Geschaltert. Oder gealtert. Gans nach Flunsch.
Dienstag, Februar 26, 2013
582
Attenzione, patrone: eco larifari
Vornewech, un hintn abheng, also Abhang, also geradso ums Eck mitn Flaschn un die annern daliegnnh, gans schräääk, mit Mundvollmmmhh, entkopft von die Kreiselmaschin. Kraisslmaschinn. Kraisslkrasslmassl. Hochaufm blaun Wagn reisst die gelbe Flutsch, dass es ein augnschliessa Wuchtfenomen iss. Ein augnschliessa hautbrennadn Wuchtfenomen. Hat wass von Feffasteek. Hat was von Drahtfleischbürstn. Aba wo mann schonma dalicht, kann ma ooch die annare Seitn krilln, Herrschaftszeitn sin Hintanzeitn. Alles fürn Aaasch, so itallallienisch. Kapitalisti Karnifori. Karnifali. Oda so eehnlich. Unanseehnlich. Eijntlich müsstma uffstehn. Iss aba soweit vom Kopp biss inn die WaageRechtn. Kannmamasehn. Wi so simple Simpelfisick eim dass Lehm schwermachn tut. Aba von nüscht kommt imma nu nüscht. Un dat iss wenicha aas sons, meistns jedn Falz. Falzgraaf. Kannmamaseen, wass davon kommt, vom aufm Grund gehn. Wemma da iss, aufm Grund, isses Wassa wech. Un die Fischn jampen un japsen ringsrum ein rum. Alsö lässt ma dis mitm aufm Grund gehn, und lässt das Wassa wosiss, un die Fischn wiese sinn. Un den Grund, den sehn ma noch free genuch. Free genuch. Klaubts mia, bei meim Katofflacka. Schnapps un Kokollolores. Hauptsach keen Flaschnfand. Hiernich!
(wie daheim. wie dahintn: Da sammlt wieda eena: Flaschnfand, kuckma, wifiel er Flaschnfand. Hiernich! Wir sinnich von hier! Hier keine Flaschenfand!)
Montag, Februar 18, 2013
581
Aal spezial, ein Scherbengericht
Wenn das erste Wort ein falsches Gesicht hat. kann mir die ganze Botschaft gestohlen bleiben. Muss man so wie so nicht weiter lesen. Sitzt man lieber vierlings längs unter dem Tisch und weiss kaum mehr wie Licht oder Lächeln aussehen können, oder wenigstens die Kühlschranktür. Überall nur Beine, hölzerner Keulenwald, eine Meute böser Störche, Keile, wohin die Pupille rollt. Was bringt der ganze Wunschsalat, wenn man kein Spießer ist, immer nur Nudeln auf die Hand, was nützt die ganze gute Absicht, wenn sie nicht von Herzen kommt, mit Soße, sondern trocken aus dem Kniegelenk. Man kriegt ja nie etwas geschenkt. Nicht wirklich. Vielleicht noch einen Jingle, eine frohe Waise. Oder eine Eintrittskarte. Aber dann ist das Stadion längst wieder übertapeziert, oder abgerissen, und alle lachen über einen, wie bei einem Witz. Es ist aber traurig. Macht nichts. Dann gehen wir, also mich, mal eben ausserhausig freiweg unters Dach, also Himmelszelt, obwohl man da inzwischen auch nur noch über Gebühr empfangen wird, gerüchteweise. Kann man dann mal sehen, ob sie einen noch lässigen lässt, die Gierung, die Re-gierung. Hat ja immer schnell den Griff, der Nick-Nacken tut einem weh, Handschuhe, die quarzknöcheln, das passt keinem wirklich, wenn man kurz den Blick erhebt und dafür dann die Lippen rot gezogen bekommt, oder die Arme kreuz, die Beine zerschlagen (Häute nicht!), nur wegen der staatlichen Ratsräson. Ich bin sonst nicht schnell gegen oder für, aber dann und wann möcht ich auch mal schon, wenigstens wahr, und nicht bloß immer die Heiligen vom Schein.
Montag, Januar 28, 2013
580
Ein wenich Könich
Dann war da noch der Schlangenhausarzt, der sich auf Grasnattern spezialisiert hatte, weil es die da wo er aufgewachsen war schon immer gab oder geben sollte, so viele wie es Gras gab in diesem dunkelgrün vergrämten Landstrich voller wogender Halmfelder wie vom göttlichen Maler mit wildem Charme und Schwung auf der braunen Krumenkruste verteilt, ohne Rücksicht, Absicht oder Beschränkung. Aber das Gras war dünn und zuzu also vielzu niedrig, und die Nattern waren ebenso zuzu also vielzu schnell wenn sie gesund waren und wenn sie krank waren waren sie nochmalso schnell, und zwar tot, und die Bezahlung war auch mehr eine Zufallsbekanntschaft und der Nebenverdienst als Lederfee eines knechtschen Stiefelmackers hatte sich alsbald als luftschlängig erwiesen - die ortsüblichen Cowjunkies mochten ums Verzichtverrecken keine greenhornigen Cowjunkiestiefel haben. Deshalb hatte sich der Schlangenhausarzt seufzend aber früh aufgemacht in die tristen Blocksberge der Vorstadt und dort umgesattelt auf Tankstellenpächterwächter mit besonderer Begabung zur Reifenverfüllung und zur ganzheitlich pneumatischen Luft- und Duftmengenüberprüfung jedweder Kalesche, und wenn er also abends zweibeinisch Luftbeinschaukelnd und stieläugend vor seiner Tankstelle an der Luftbrücke sass, mit sich allein im goldschleiernen Sonnenshowdown, den grün gezackten gummierten Luftschlauch immer in der Nähe seiner zart geschuppten eleganten Schlangenarzthände, dann verschwärmte er sich in die graugrün schimmernden sanften Bogenwellen des Weidenmeers am Horizont, und er war nicht mehr sehr froh, hier zu sein und nicht mehr da, wo die Grasnattern lebten. Angeblich.
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