Betragen & Betrügen 2009

poeblo

poet bloggery - gedichte, geschichten, intuitive poesie. und ansätze. gute ansätze.

Samstag, Oktober 03, 2009

516

Tagsüber, Wasserfälle

Jedenfalls ist jetzt auf der Wiese vor dem Haus keine Ziege. Auf der Wiese vor dem Haus ist ein ganz normaler Haufen Dreck, abgelegt von irgendjemand, hingeworfen wie so ein Ding, Schicksal, ein gebeuteltes Stück, Abfall sozusagen, ein leergeräumtes Versprechen. Tütüt. Jaja, Nunja, Schwermut ist auch keine Lösung. Liegt mir wieder wie ein Ziegel im Regal, das Zeug. Wenn mir bloß die Kommas nicht ausgehen. Wo hänge ich meine losen Fäden hin? An die Wand, wie die Glasnudeln und die Stirnfalten? Das muss Tapete sein, keine Haut, die da hängt. Breitspurig fahren wir mit dem Finger die Ecken rauf und runter, die fetten Ecken voller verschwindenden Lichts. Gebogen, aber nicht gebrochen. Gleich kommt ein Teich.

Jedenfalls, hätten wir nur ein wenig mehr. Also ungefähr das Dreifache. Das ist auch keine Blasphemie, ich kann nur Luftgitarre. Also eigentlich. Einen einfachen Klammergriff, nun gut, oder auch eine Gürtelrose, aber nur mit Mund und Lippenschürzen, das brennt doch? Das brennt Dich glatt um die Ecke. Vollmundig banal. Verkaufen wir alles, und ziehen dann weg, wir drücken uns nebenbei den Weg lang und länger, und Dosen sind auch ganz hübsch, ein ganzer Sack Dosen am Ende eines taghellen Tags, ein Schatz, mein Schatz! Wir werden wieder. Wir sind schon bald. Wir zwei, oder um halb drei. Mittags eben. Sprache und Einfalt. Auf den Taschenboden ist noch etwas Mutterwitz. Schon leicht beschämt, oder: beschimmelt, weil so lange auf der Lauer. Passt sich an. Und gewinnt an Farbe. Und Fahrt. Eine leichte Weise, das. Beschwingt, geflügelt. Der Dreckspatz am Hosenbein. Wallraffplatz. Mach rüber, Junge, und Du kannst was erleben.

(gleich weitergeflogen, die feige. grauer star!)

Sonntag, August 30, 2009

515

Brummkreisel, doppelseitig

Wir waren dann mal gegenüber, auf der Seite der Gewinner. War aber alles leer. Waren schon fort. Nur die Papp- und Stellwände pappten und stellten sich noch gegen den Wind, aber der ist ja immer irgendwie. Der Wind ist ja immer. Wo habe ich nur meinen Kopf? Wie habe ich mir den Kopf stillgehalten? Für anderes hatten wir immer Zeit. Und es sieht nicht so aus, als ob sich etwas ändern wollte. Und ein Stilbruch ist noch lange kein Zuckerschlecken. Fragen Sie einen Stuhl!

514

ein stück seife, und dazwischen papier

aber da ist noch gelächter
von unterwegs von unter den tischen
sternentod wie hohler schleier gerafft
wie hohe stirn gefaltet
wie mit bleiernem traktat
gehorsam schweigt sich durch das gedächtnis
ein schmutziger besucher mit würgendem blick
nur wie den hausrat überwinden
die schlangen auf linoleum
ich war reissuppenkönig
unter den ofenringen und
dem knistern der wand
die echospur in meinem zimmer

Dienstag, Juni 02, 2009

513

Gemeinplatz, also immer druff!

Schon mal wieder. Schlechtes Gewissen. Viel zu lange in dem Einmachglas, mit dem Froschkostüm, und keine Leiter. Das kann nichts werden. Das kann ja einfach nichts werden. Ich bin nicht unterwegs gewesen. Ich bin nicht angekommen. Ich hänge immer noch zwischen den Seilen an dieser Brücke, auf die man mich geschickt hat, um sie zu reparieren, wobei man inzwischen vergessen hat, dass es mich gibt. Die Luft ist dünn hier oben! Aber keine Ahnung, den ersten Mittelscheitel habe ich mir verdammt nochmal selbst gezogen, das war vielleicht keine clevere Entscheidung, aber es war immerhin eine! (Ausrufezeichen)

Sonntag, April 26, 2009

512

Mein Freund heißt Kamel

Ich im Weiß das der Maler übriggelassen hat
für die Zeit für das Bild nach dem Schnee
versprich mir nur nicht wieder alles
das Fleisch der Sonne hängt bauchig in den unruhigen Tag
wir wären Engel, wenn man die Flügel nicht für anderes gebraucht hätte
später wollte man sich die Zunge herausnehmen
Abgott (nichts weniger als das, ach geben Sie nur reichlich)
was hätten wir denn noch zu tun in dieser Nacht der Eingeweihten
letzte Versuche sich herauszureden, aber der Schweiß läuft wie ein wildes Kind
(Ahornknabe, Muschelleib)
Irrlicht inmitten schwankender Blumenwälder (Fehlfarben!)
jemand hält mir Kornblumen über den Asphalt
Unschärfe heisst das, wenn die Schatten im Kopf
dunkel drohende Terrassen bilden, steil in die Mittagshitze verkeilt
(Bürgerfassade!)
ich werfe mich seitwärts
in die kleine Spalte lichtgrünes Meer

511

Sonntag rennt, Dienstag fehlt ein t

Wie Nachtrausch den Tag verharscht
schneetrockene Yetizunge (ein pelziger Igel)
Tierhäute im Kopf
mit den Augen der Taube spähend
es heißt eine Richtung einzunehmen
Dachschräge und das Rot eines brennenden Morgenmantels,
habt acht, habt neun, habt Seilspuren in meine Wangen gepresst
(ich war so vernarrt in dieses Gefühl!)
was schlägst Du vor, was schlägst Du zurück
ein Licht aus dem Fensterglas wie ein drohender Blick
schwarze Tränen und ich stehe auf
mit dem Licht unter meinen Sohlen und den Schwalben
in der Brust

510

So lange nichts und dann sowas

Wieder Luft geholt
Wasser ist zum waschen und genug da
etwas Wärme aus den Achseln kitzeln
Sprühflasche werktags, Schokolade heiß und innig
ich bin der Grubenkönig, unten alles voller Gold
keine halbe Sache, meine Stimme schläft wie meine Geschichten
auch wenn es aussieht als ruhten sie sich nur aus
wenigstens war der Tag heute wie sauber mit dem Messer geschnitten
eine Scheibe Brot, erst weiß, dann schwarz!
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