Der Wolf und sein Graf
Es kommt ein König nach Waterloo, und was findet er? Irrtümer. Keine Königtümer, keine Bistümer, nur Irrtümer. Ungelegene Irrtümer. Aber wirklich? Ich bin mir da nicht mehr sicher.
Kormorane und Fischersbrünste. Das Feuer einer Netzfahrt, unwiederbringliches Verzehren nach der anderen Seite. Später der Kirchturm auf der Insel. Unaufhaltsam die Glocken in den Berg getrieben, bis nur noch die Klöppel und ein Kreis Bronze zu sehen gewesen sein dürften. Aber da war dann ein Halt, ein Einhalt, großer Steinhalt, ein steinaltes Stück Berg. Unaufhaltsam war gestern. Heute ist Berg. Keramikopfer. Die Scherben in den Wald bringen, zur Begutachtung. Scherben und ein Blau. Ein Grau. Ein tiefes Gefühl. Nur die Annahme, dass es nichts Besseres geben könnte. Den ganzen Winter über hat man uns den Sommer vorhergesagt. Und nichts ist gekommen außer staubigem Licht.
Und Waterloo? Waterloo ist Legende. Waterloo ist Wasserklo.
Dienstag, März 27, 2007
300
299
schlaf schaf nummer drei
du machst
du denkst
du glaubst
du bist
du willst
du wirst
du schenkst
du liebst
du nimmst
du hasst
du kannst
du kriegst
diese feuernägel nicht mehr
aus dem kopf
Montag, März 26, 2007
298
Forsythien und ein Lama
Was bisher geschah: Lord und Lady Shuffelton sind verrückt geworden. Sie vergreisten zu grauen Adlern, die edlen Adligen sind klapperschwache Raubvögel geworden. Wie stirbt ein alter Adler, im Flug? Oder fällt er einfach vom hohen hohlen Baum?! Der kundige Geist muss sich mit einer fedrigen Hypothese bescheiden.
Inzwischen ist es dunkel und totenstill. Ein übler Samariter kreist am Horizont, auf der Suche nach Beute. Er hat keine Eile, nur den Wahn, der in seinen Augen flackert und nachts die Ebene erleuchtet. Niemand findet mehr Schlaf, niemand wagt sich mehr aus den Zelten. Bis der alte Schafhirte ein letztesmal seinen Wunderarm spannt und dem wahnsinnigen Samariter in stockfinsterer Nacht sein unnachahmliches Lied entgegenschleudert, aus voller Brust, mit gerecktem Haupt und einem unheimlichen Wunderglauben. Natürlich bewirkt er damit überhaupt nichts, er trifft nicht einmal, der alte Schafhirte hat wie immer weit daneben gezielt. Aber der üble Samariter ist auch schon vor Stunden weiter über das Land zu neuen Beutegründen abgezogen. Und so hat die Ebene jetzt einen Helden, wie sie ihn verdient. Irgendjemand wird die nächsten Wochen eine Menge bezahlen müssen. Und der Pope poliert eilig den heiligen Schrein.
297
Goodbye to Jane
In die Hände gefallen
mir sind die Ohren da nachts
an dem Tisch in die Hände gefallen
Kopfsprung, die Schüssel wie Armstrong, und ein Mond
wie eine rote runde Kupfersonne
ins blaue Grau getrieben
Fühl mal, die Krone der Schöpfung
uns fehlt nichts, wir glimmen noch
eine halbe Weile und dann Docht
Ist keine große Sache! Kleinmut! Wermut!
Ich schreibe schon wieder mausgrau
zieht mir die Feder aus dem Hintern
mein Leitwerk ist geknickt, ich kann
die Richtung nicht mehr halten
muss die Kurven eben
ein anderer fliegen
Samstag, März 24, 2007
296
Auf ganzer Linie, ein Haken
Erst war da dieser kleine Punkt. Aus dem wurde der Kleine Muck. Daraus wurden wiederum die Zauberpantoffeln. Und die Feigen der hässlichen Frau. Ich fühle mich heute so unscharf. Ich bin verschwommen. Hinaus auf das Meer des Tages und der Dämmerung, immer weiter hinaus und immer weiter verschwommen, und an den Rändern aufgeweicht und zurückgekommen als riesige vollgesaugte Qualle, aber alles Leben, alles gut! Nun sagen Sie das mal der Hausfrau, die ihren Teppich trocken haben will, die den ganzen Tagesmüll nicht in ihrer Wohnung haben will.
(you should delete that)
295
Aussterben ist auch keine Lösung
Der erste Vater, die zweite Kerze. Es glüht ein Fensterbrett in freudiger Erwartung. Vater kommt bald nach Hause. Und er hat die neue Frau mitgebracht. Hat er sich heute nacht in seiner Werkstatt gezimmert. Mutter ist ein bisschen böse, wegen der vielen Holzspäne im Bett und auf dem Flur. Aber im Grunde ihres Herzens kann sie dem Vater nicht böse sein. Hat er sie doch damals auch gemacht, aus dem Stamm der Hainbuche in unserem Garten, nachdem sie der Blitz getroffen hatte. Und jetzt mit der Zeit ist sie schon ein wenig rissig geworden, und es nisten schon die ersten Vögel in ihrem struppigen Haar. Da musste der Vater etwas machen. Das sieht unsere Altmutter schon ein. Wir Kinder freuen uns natürlich ganz besonders. Können wir doch endlich wieder unsere Namen in die Rinde unserer Mutter ritzen. Und wenn es dann kalt wird im nächsten Sommer, wird die alte Mutter es uns gemütlich machen. Sie freut sich darauf. Hat sie gesagt.
Freitag, März 23, 2007
294
Wer zu spät kommt, muss mit Gerhard rechnen
Hopf oder Klopf. Mehl oder Zahl. Und blaue Kuhblume. Und grünes Ameisengehirn. Niemand hat gesagt, dass es einfach wird. Einfach zweifach. Und dreifach. Und weshalb kommen hier eigentlich immer so wenig Eigenbrötler zur Begegnungstätte? Wahrscheinlich wegen dem Boot, nein, wahrscheinlich wegen dem Brot, das Bruder Johann hier immer bäckt und den Pilgern hinterher wirft, die sich dann die nächsten zweitausend Kilometer daran die Zähne ausbeißen müssen. Gott zum Gruß, ruft der fromme Bruder, der eigentlich gar nicht fromm ist und früher mal Zahnarzt war, Gott zum Gruß. Ruft er ihnen noch hinterher. Dann rennt er zurück in seine Backstube und wirft den Betonmischer an. Eigenbrötler können das Einschaltgeräusch eines 67er Hannomax Betonmischers auf riesige Entfernungen aus der Kulisse ausfiltern und identifizieren. Dann machen sie sich umgehend auf den Weg in die andere Richtung. Schließlich kennen Sie Bruder Johann. Und dessen vermaledeites Betonbrot.
(Außerdem: was denkt der, warum die so heißen? Na?)
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