Darf so einer Kunst sein?
Leimband, Leimtopf. Klebeform. Informiert, aber doch kaum blasser Dunst. Nasenschleier. Rot wächst die Blume aus meinem Blut. Bringt mir den Schopf von Yul Brynner. Haben wir nicht. Nackenhaare von Vera Brühne? Auch nicht. Aber eine Maggi-Frisur von Peter oder dem Wolf.
Eine Ahnung von saharischer Gier nach mehr, vom Sprudel eitlen Wollens. Genug gespürt. Hunde, Hühnerkunde. Ich bin auf einem Bein aufgewacht, und der Misthaufen auf dem ich mich finde weiß längst nicht alles. Laut gegeben. Haben wir acht, neun, haben wir auch halb zehn. Und der Rest muss folgen. Haben wir elf, haben wir zwelf, haben wir nach Mittag. Ja, haben und haben, und sollen und Schein, wie Schatten im unteren Bereich der Brillengläser. Wieder zu spät. Man lasert sich jetzt. Ich wäre ja auf einer Seite, gern, aber welche von den drei, vier verbliebenen hat mir denn jetzt genau gefallen?
Und Troja, und Maya, und Herrja, und Kara, und absolut purpur. Pfeifen. Gehört. Dazu gehört. Worte wie Fetzen in mein Innerstes geweht. Schwarzes Panier, Reflektorkunst, aber die Kohle haben die anderen!
Sonntag, Januar 18, 2009
495
494
Brandners Geist
RotKreuz BraunKreuz GrünKreuz
die Lichtschlangen werfen die Farben
in die Häuser zurück wie armes Gelichter
und wir haben kein Brot nur Kuchengewürz
sattsam Bekanntes und leerer Verzicht
das tote Holz abgelesener Gedanken
zu spät um jetzt noch mal danke zu sagen
zu früh für eine Fahrkarte
der Bus ist noch leer
493
equilibri
bald brechen die Türme
und die Zeit der kleinen Vögel
kommt wieder
und die Geldautomaten schweigen
und das Gold verzettelt sich
und die Minister führen ihren Verstand spazieren
(nur kann der nicht fliegen)
und die Beamten kehren den Hof
und die Beamten streuen das Gleis
am kalten Buchenhain
Donnerstag, Januar 15, 2009
492
Frau König und ihr Frosch
Gestriges Versagen, heutiges Verwesen. Oder war das umgekehrt? Auf den Kopf kommt es an. Ich spüre Gummi, die Riemen auf der Stirn, den gefühlten Durchstoß der Kontakte. Jetzt die Augen zu, und wieder auf. Bitte. Rauhes rot behauchtes Papier schabt und rändert sich murrend aus seinem Stahlbett und rollt sich in den transparenten Kasten darunter. Lässigkeit. Information. Präzision. Man muss sehen was ist, um zu machen was man kann. Aktion. Reaktion. Telegramm. Heute früh verstorben. Kommt aber darauf an. Das Papier schiebt sich weiter durch den Raum wie die Zeit in meinen Kopf, die Kontakte grinsen sich durch Haut und Knochen ins Gehirn, zumindest fühlt es sich so an, mein Stuhl hat keine Lehne. Mein Stuhl hat eine ermüdungsarme Sitzfläche. Zumindest eine, die rein optisch den grundsätzlichen ästhetischen Bedürfnissen der Medizinerkaste entspricht. Die Kasse zahlt, auch ohne Wissen. Man arrangiert sich. Es muss Gewinner geben. Es wird immer Gewinner geben. Je eher man sich entscheidet, umso besser. Mich hat man vergessen zu fragen. Vielleicht war das Papier alle, für den Fragebogen. Das Rechenzentrum hat seine Tätigkeit beendet und ruft mit streng moduliertem Ton nach seiner Bedieneinheit. Weißes Kleiderreiben, der kühle Geruch nach nichts, ihre Finger sind kalt, die Stimme bemüht um Neutralität. Lange wird das nicht gutgehen. Je eher man sich entscheidet, umso besser. Mein Kopf in der Zange ihrer Hände. Schön ist das nicht. Mit letztem Kuss verabschieden sich die Tentakel von der errötenden Haut. Frisch verliebt steigt die Freiheit des Augenblicks ins Tageslicht, und wird rasch von den Praxiswänden verschlungen. Spurloses Verschwinden. Eure Sachlichkeit kotzt mich an. Die Kinderzeichnungen auf dem Schreibtisch in dem großen Zimmer der leinwandweiß verkleideten haarschwarz verfärbten Interpretatorin, die wirkt, als würde sie jetzt gerne in einem rot gestreiften Leuchtturm sitzen und das aquamarine Mäandern des Meers auf dem goldgelben Sand betrachten, der sich sanft bis zu der Eingangstür ihres Reservats dehnt und streckt wie die weiche und makellose Haut ihrer jungen Yogatrainerin sich dehnt und streckt, wenn diese ihr den Weg vorgibt zu den sanften Hügeln des Glücks, sprechen eine andere Sprache.
Nichts zu erkennen, sagt die Ärztin. Alles im grünen Bereich. Ihre Stimme klingt nach Erleichterung und Vorwurf. Eine seltsame Melange. Bevor sich etwas mehr zusammenbraut, verlasse ich den Leuchtturm und tauche ein in mein Gewühl aus lichtem Lärm und Dreck der Straße. Ich bin wieder da. Zurück von einem Tag am dunklen Meer.
491
Exzellenz, zum Scheitern geholzt
Da geht aber noch was, die paar Schritte über den Abgrund hinaus, die machen den Unterschied. Willst Du kein Flieger sein? Stehe ich da wie angewurzelt und über mir der Himmel der blausame und keiner stellt soviel Fragen wie mein Hirn in dem Moment, es geht nicht mehr, es geht nicht mehr aus, es bleibt die ganze Zeit auf Sendung, Funkpeilung, mein Hirn strahlt nur so vor lauter Sendebereitschaft und ich höre alles mit, das wird mir nicht viel zum Regieren oder Reagieren lassen, ich muss doch weiter hören! Und jetzt alle. Aber mein Hirn sagt weiter, es sendet beredt weiter, nicht mal mehr aus dem Untergrund, alles ganz ofiziell, wir sind es, Deine Verwaltung. Zeit genug gehabt hast Du, die Wahl war klar, oder, und jetzt kommt die Rechnung auf den Tisch, wir brauchen den Platz.
Man dreht sich. Wendet sich. Man blüht auf, man blüht ab. Man welkt, und schiebt doch wieder noch ein grünes Wurzeln unter die Oberfläche außen vor. Triebtäter, Tätertrieb, Treibstätte. Tanzboden. Ausgestanzt. Abgestiegen. In den Kellern sind die Kisten leer. Früher waren die Keller die Orte mit den vollen Kisten. Heute sind die Keller Leergutbehälter. Flaschenpost. Auf dem Teppich bleiben. Bezahlen Sie doch einfach mit Ihrem guten Namen!
Kommen wir zu etwas völlig anderem.
Stadt war Relief. Bilder gesehen, Autos gesehen, Straße gesehen, Dreck gesehen, Menschen gesehen. Viel Autos, viel Straßen, viel Dreck. Menschen gefürchtet. Menschen verhasst. Angst gerochen, Gas gerochen. Lärm gesehen und gemacht. Herz zerbissen. Stumm weitergeschaltet. Technik funktioniert. Mechanik funktioniert. Welt funktioniert. Stadt bewegt. Mensch greift. Korn, Blume, blau. Leuchtstoffkörper. Bilanz: verlangsamtes Wesen. Sein war gestern. Heut ist Präzision. Anmach. Anschalt. Angang. Anlauf. Anfall. Und ist kein Wert. Aber ist kein Wert. Warum ist kein Wert. Wir sind Wertschöpfer! Alle!
(Unter Schöpfern ist die Tatsache unbestritten, dass eine besondere Wertigkeit ausschließlich rückverfolgbar sein muss und keineswegs aufgrund besonderer Fähigkeit entstehen kann oder will oder soll. Und/oder Geschick vielleicht, aber nicht von Dauer. Es geht um Unsterblichkeit, es geht um das Erbe der Guten, der Reichen, der Schönen. Sichert die Spur!)
Montag, Dezember 22, 2008
490
Brennweite, oder: wie das Auge so der Rauch
Woher soll man es auch wissen. Bücher sind abgeschafft, Rotzfahnen sind angeschafft. An der Grenzfläche des arbeitenden Bewusstseins. Wollen wir noch was anbauen? Moment noch. Erst kommt die Fresse, dann der Bauch, und irgendwann die Grütze. Ich muss nicht denken, ich muss schaufeln. Grab, Gräber, Maulwurf. Weit gekommen, nur mit der großen Klappe. Global, Glanzpapier, Clenbuterol. Mit dem steh ich auf gutem Fuß. Aber wer steht, kann auch fallen. Wer geht, gräbt sich dafür noch tiefer ein. Waldarbeiten. Weltarbeiten. Am Greifarm steht heute der Werner. Werner, sag mal was. Also ich bin der Werner. Und mein Greifarm, der kann richtig zupacken. Das wars auch schon mit Werner, danke Werner, wir sind morgen wieder für Sie da, wenn es heißt: Mit Glanzpapier zum Frühstücksbrei. Harakura!
Verkannt und nicht gewusst. Verdammt und zugenäht. Ich bin sicher, da hat gestern jemand hingespuckt. Hexenspucke. Die redet mit Dir, bis die Sonne aufgeht. Dann stehst Du auf und alle, alle sind sie fortgelaufen. So ist das hier. Keine Frage. Keine Antwort. Aus dem Gullideckel tönt es dumpf: ich bin hier unten! Aber wer will das wissen. Wo doch das obige, das obenauf, das Hochhinaus! viel interessanter ist. Nach oben kommen. Die unten braucht man nur zum draufstellen. Karrierekisten. Man will halt was sehen. Und vergisst die Spiegel. Das sind nur Momentaufnahmen. Das ist nicht mein Gesicht. Geh weg, Gesicht. Ich rasiere mich wenn es zu spät ist. Nacht, und nur eine Kerze. Das kann heiter werden!
Ach ja, Ochsenstrumpf. So ein Blödsinn. Ochsen tragen Socken, wenn überhaupt. Die meisten Ochsen, die ich kenne, gehen sowieso barfuss. Paarhufiges Barfüsseln. Wglfrt.
Samstag, Dezember 06, 2008
489
Wenn keiner kommt gehen wir auch
MAL WAS GANZ ANDERS, ALSO ANDERES:
KUNST FRAU NACHBAR!
Grandiose Ausstellung von Kelly Tivnan & Hanza
04.12. - 24.12. 2008
Hufelandstraße 23
10407 Berlin
Skulpturen, Malerei, Zeichnungen
MUSS MAN GESEHEN HABEN!
Mit großer Abschlussinstallation
und wechselnder Wochenendgeschichte - von hier!
Über mich
Mail: poeblo@web.de
