Samstag, Juli 08, 2006

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glaubst du wenn du still bist
wird man dich nicht sehen

glaubst du wenn du klein bist
wird man dich nicht hören

glaubst du wenn du lieb bist
wird man dich nicht bestehlen

glaubst du wenn du arm bist
wird man dich nicht hassen

dann glaubst du auch dass
wenn man rote hemden trägt
wird man präsident

Freitag, Juli 07, 2006

10X12(et 9)

dann ist ihm ein gedanke groß geworden, dass der tod nämlich nichts als eine tür sei, eine kleine schiefergraue tür in einer wild bewucherten mauer, ein grauer fleck im saftigen sich himmelwärts türmenden grün, eine kleine unscheinbare, schmutzige tür, und während er noch dachte warf sich ihm schwer die angst auf den gedanken, dass er den tod als klein und schmutzig bedacht hätte, und dass der ihm das übel nehmen könnte, und das schon bald. zu bald.

Donnerstag, Juli 06, 2006

10X12(et 8)

hoch auf schrägt das zukunftsdach
so nah am überschau
hält die liebe not dann wieder
unsere schultern eng zusammen und
die gehende generation staunt still
vor dumpf stehenden gewässern
flaches gelächtert und hinterstirnig
begräbt sich die wut
aber wo dunkel eine bitte ist
glüht manchmal ein weg
und nur ein könig findet nichts am zaun
(ein könig lässt suchen)
ganz bürgerlich zählt jetzt nur eins:
fort und im weitesten sinn schritte zu machen
so mühsam das bein sich auch hebt
bei meinem entenverstand

Samstag, Juni 10, 2006

10X12(et 7)

kam heim und

da war es ein

sch-recksgetier

im späten zimmer guckt mir mit halb verwirrtem was

willsten frag ich das

sch-recksgetier

aber es hält die

zähner zischestille und krocht mir

nah noch näher da nehm ichs mir fest

vor und werf es weit

mit einem blick zum hoch

ins nachtgehimmel wo der

mond so eben seine blauschimmel wieder

auf die milchglasweide

chict

Freitag, Juni 02, 2006

10X12(et 6)

mondänes gloriolen und wie seegras wogt das geschopf
schwarzäugend biegt das rehliche sichergehend durch die manege
aber nicht mal halb hebt es den kalbenden geschäftlern das stiere blicken
an der ecke schäumt die straße über vom hitzigen verkehr
(mit verlaub: das sind mir bäume, herr schatten)
bis sich mir ein brisen lächelnd in die beine fährt
zwei flundern weiter porschen sie sich die angst aus dem bauch
trinken am ku´damm wattierten kaffee und machen gute miene
im goldverzurrten mundwinkelnde manie
keiner für sich genug
jeder wie jede und alle allein

Donnerstag, Mai 25, 2006

10X12(et 5)

früh morgens
auf dem balkon
dachte er bei sich
wie es wohl wäre
einfach in der sonne sitzen
zu bleiben und während
er noch dachte lief
ihm leise die zeit
davon
und er lächelte
und ließ es geschehen

Montag, Mai 01, 2006

10X12(et 4)

zähl den senf
zähl den senf
(ich habe keine grübchen)
ein paar meilen weiter blüht schon das juli-tier
und sie kam mit wolkenschuhen auf den balkon gerannt
sie blitzen! sie blitzen! sie blitzen und du strahlst!
und warum auch nicht
und warum auch nicht
ein brötchen ohne schlitz
wird liegen bleiben
(decke zu)


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