Montag, November 07, 2005

fünffünfzig

libellenwut, noch im fallen packt mich so eine libellenwut, mich auf einen meiner sinnlosen gedanken zu stürzen und ihn noch in der luft zu zerreißen und mir die blutigen fetzen genüsslich ins maul zu schieben, auf dem kurzen fallout in richtung unerbittlicher asphalt. aber gedanken bluten nicht, manche machen nur bluten, und die sonne zwängt sich für einen moment in meine windgefluteten augen und dieser gleissende riss zerstört alles was hass oder furcht ist in meinem kopf und lässt mich sogar entspannt die arme ausbreiten auf meinem weg nach unten. bis mich die lächerlich dünne haut einer restaurantmarkise ungefragt in die arme nimmt und mir so viel energie und masse raubt, dass es nur zu einem mittleren oberarmbruch und diversen prellungen reicht. ich bin wieder da. und für einen kleinen zögerlichen moment flattert so etwas wie ein leises bedauern durch meinen rund gebliebenen hinterkopf, so etwas wie ein flügel streift kurz mein denken, bis auch der verschwindet und der lärm der straße und des streckenweise begeisterten publikums sich unfreiwillig aber ungehindert zurück auf mein bewusstsein drängt und die alten gewohnten plätze einnimmt, die er während des sturzfluges panikartig verlassen hat. ich werde leben. aber nie mehr fliegen.


(nicht so schnell).

Sonntag, November 06, 2005

fünfvierzig

mich einknöpfen in diese haut in
dieses gesagte und niemals getane
dieses ungeheuerliche ich habe
versäumtes nach zu holen woher
auch immer wohl wissend dass nichts geht
ohne fußbegleitung (zehenspitzen) und das
ornithologische prinzip der fragestellung
(federführend: mauersegler)
also - ich brüte, so brüte ich, mich brütet
die wut

(ganz persönlich)


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die bauern der
sprache wir sind die
bauern der sprache und
drehen und wenden
die schorfige scholle
in unseren köpfen
quer durch das bereits gefurchte
die ernte muss warten
solange
die erde noch
bricht

Samstag, November 05, 2005

fünfdreizig

und aus steigt er mit dem zerknitterten anzug und dem zerknitterten gesicht und dem grinsen das einem glatt die freude in das herz hebt als er aussteigend grinst und einfach so die falten an sich und um sich diese sorgenfalten einfach lachend flachlegt und in die pfützen ringsum verteilt wo sie austrocknen in der sonne seines grinsens bis nichts mehr von ihnen zu sehen ist außer den resten der gebeutelten luft in die vorher warnungen gebläht worden waren von dicklichen bedenken die jetzt zerfallen ins nichts als er aussteigt mit seinem knitternden anzug dem knittergesicht und dem sonnengrinsen – er ist wieder da.

Freitag, November 04, 2005

fünfzweizig

und so schüttelte mich damals das vorlachen und nachweinen und mittige trauer über mein pickliges und schwungloses bemühen, das in mir platz nahm immer mehr platz nahm bis das relativ rationale aus dem raum gedrängt war und ich nur noch das stöhnen der strapazierten wände wahrnehmen konnte. aber was ich da für liebesseufzer hielt, war das blutleere und sinnlose resultat dieser aufgeblähten halbliebe, die sich wie ein stück gummi um mein herz schmiegte und dort bei jedem schlag quietschende geräusche von sich gab - ja, die liebe dachte ich, aber mein leib und auch mein herz kannten die ganze wahrheit (meine erfahrung bald auch).

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und das war der größte betrug des landlebens dass man mir irgendwann die idylle entzwei gerissen hat - ein kirchturm war noch nie ein zaubererhut und würde auch nie einer sein - dort nicht und hier nicht und schon gar nicht im himmelreich dem ihrigen.

Donnerstag, November 03, 2005

fünfeinszig

was kommt das
geht was fällt
das liegt was
steht das dreht
was denkt das
gabelt was spricht
das stimmt was
sucht das bindet
was strebt das
hält was
starrt das bricht
was fliegt das
landet was ist
das bleibt
irgendwann

Mittwoch, November 02, 2005

fünfnullzig

weiß auf matt
schwarz auf schwer
grün auf halb
grau auf struktur
gelb auf laub
blau auf leicht
rot auf quer
alles auf reif

(im herbst kratzen meine augen
mir immer gleich das hirn heraus)

Dienstag, November 01, 2005

neunvierzig

ich ense ich lense
ich inse ich binse ich linse
zu gericht bitte
kopf ab
und zu den
kragen

..............

ach mein Du mein
ach Du mein mein
mein ach du mein
Du ach mein mein
mein ach Du mein
ach

.................

meine träume
verbellen mich
aber sie beißen nicht
kratzen mir nur striche
um den mund
hinter die stirn


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