Mittwoch, Februar 28, 2007

267

Korrekt auf korrektur vermeldet

Auf dem Weg zu Mars wird dem Kosmonauten plötzlich ganz mal schnell übel. Gottseidank weiß er, wo er sich noch extra hat Antiübelpillen einnähen lassen in seinen spezial Marsmissionsanzug mit dem pinkfarbenen Doppelkreuz. Schnell nimmt er eine Pille (keine Tablette!) und die Reise kann sich wieder sehen lassen. Das wäre was geworden, denkt der Marsmissioner, ich komme auf dem Mars an, wie geplant, und kotze dann den Marsleuten erst mal vor die Füße. Wenn die sowas wie Füße überhaupt kennen. Die heilige Forschung sagt einem ja nichts da drüber.

Der Marsmissionist lenkt sich mit seinem spezial Lenkstick um den zweiten der großen Marsberghügel herum und landet mit weit aufsporendem Staubpilz. Naja, denkt er sich. Das dauert jetzt noch eine ganze Stunde, bis der Staub sich wieder gelegt hat. Da lege ich mich doch auch erstmal, und zwar aufs Ohr. Vorsichtig schichtet der Marsmissionike Kissen und Decken auf das große Ohr des schlafenden Raumschiffs und schnarcht bald gemeinsam mit dem mächtigen Exoplasmakörper um die Wette. Draußen wirbelt der Staub. Im Inneren des Kosmonauten flattert ein Vögelchen.

Daheim auf der Erde in der Kosmonautenwohnung bügelt die Kosmonautenfrau den Ersatzkosmonautenanzug, bevor sie sich zu ihrem innig geliebten Ersatzkosmonauten zurück in die Koje legt, der noch von seiner Nachtschicht in der Kosmonautenersatzmannschaft müde grunzt und dann weiter schnarcht. Es ist ja noch früh am Erdmorgen. Manche Vögel sind schon wach. Andere haben noch den Kopf unter den Flügeln. Auf den Flügeln der Exoplasmarakete wächst langsam der Staub. Der Staub glitzert. Das Ohr lauscht. Der Weltraum rauscht.

266

this island calls yoko ono

Ignore my submarine.
Underwater is sunlight, and dreaming.
Underwater is dreaming. Free floating.
A thousands of free floating machines, in a row, in a line, in between nothing else than dreaming.
Roaming. Rooming. Room to move, dream to move.
A dream, that suits well, a room, that covers from fear. Duck and cover.
Not a sound from that disk. Oh, it is the athletic´s. Oh, it is from the fanatics.
Fantastic Four, five, or six tales from the underground, going underground, going to catch the bear, the green brown fox jumping the fence, and hence he did not hunting the cheese but the geese, and clear water for chickens is necessary.
Been binary to no other counts on my carpets, it crawls me from back to ground.
Sorry Sir, we´re livin on the edge. On the edge of a knife of a life of a small understanding. Little is less, greater hope than minor contribution.
On the outside shelters rain, no it came, now it´s gone. And late, not to say good bye, god bye, remember the churches sacred fear, from a fairy tale you can´t expect too much of old mercystuff, beat me up, rather. Rather than jersey, i presume the following.
But the other day there was river. Dancing and going by. Walking his mile.
The green door as banded. As seen. As never heard, not in the matter it should.
Sorry, but i can´t. Go there. Stitch nurse, touch screen.
Scream machine. Go give your dream.
Let life live the bleeding way.
And further. Further on.

Dienstag, Februar 27, 2007

265

Matratzen aus der Provinz

Spät geworden: trotzdem früh gekrochen gekommen. Und greislich verwahrlost der Herd, der Herr G. hat auch schon mal besser ausgesehen. Heute morgen um halb zehn, also die drei Zehen in das Frühstück gedrückt und gleich bin ich wieder so erheblich auf der höchsten Blutdruckstufe mitten durch das Leben gepoltert, dass meine Mit- und Untermieter ganz verschreckt die Füße aus dem Bett gestellt haben. Und unter den Kisskopfen haben sie bloß aufgemurmelt und gefragt: Was ist denn los? Was ist denn los? Habe ich Ihnen halt jedem ein großes Stück Eis zwischen die Zehen gelegt, und eines auf ihr Kisskopfen. Wenn es sich durchgeweicht hat, ist es mittag, und dann kommen sie endlich aus den Federn. Die Nestvernutzer, die vestalischen Nestvernutzer!

Weil eines muss ganz klar sein: Kunzt hilft bei jeder Gelegenheit! Kunzt räumt den Magen rauf! Kunzt ist nicht nur Kunzt ein Begriff! Kunzt kann mehr als nur Zeichen setzen! Kunzt verbläht Dir den Kamopf! Kunzt klärt Dir den Bauch! Kunzt räumt Dir die Flusen aus dem Nabel! Kunzt macht Dir heiß! Kunzt macht Dir kalt! Kunzt macht Dir knülle!

(Wenn ich das vorher gewusst hätte, mein Banker wäre auf vier Beinen vor mir weggelaufen. Hätte ich ihm das ersparen können! Aber wie!)

Montag, Februar 26, 2007

264

Wir singen dem König ein Lied (ein Lied)

Ja wären Sie mal Drehbuchautor geworden. Gut, da wird einem vielleicht mal schlecht. Und ganz schnell mal schwindelig, das auch. Aber das macht Ihnen doch wirklich nicht was aus! Ich bitte Ihnen - Sie haben doch Erfahrung! Ich sage nur Kreisverkehr! Und dann sage ich noch praktisch, und gut. Meine Säge kennt auch keine Gnade. Von wegen ums Eck. Es geht rund! Und um die Wurst. Ja, da wird jetzt jedem klar, wie der Hase läuft. Und wohin, also worum es mir wirklich geht.

Es geht mir nicht wirklich gut. Nein. Ich werde umgangen, also umgegangen. Man pflegt keinen Umgang mit mir. Nur neben bei. Neben Dir. Neben uns. Kennt man aus dem Film. Weiß nicht mehr wie der hieß. Eine Komödie. Ja, auch mit Charakterfach. Was soll das hier, unterste Schublade! Fachsimpeln wir, oder wollen wir alles komplizieren? Also. Das hebt die Stimmung. Und gleich das Niveau. Eine Temperamentsschleuse. Der kleine Ingenieur in mir würde die große Schraube da erst mal abdrehen. Ein Chaot ist das, kein Ingenieur. Weg mit dem Hammer!

Ein Weg uns alle zu binden. Ein Weg uns alle zu finden. Ein Weg uns alle mit Marmelade vollzuschmieren und dann in die Sonne zu stellen. Zu den Fliegen. Ein pralles Vergnügen, wenn die kleinen Rüsselchen über die Haut raspeln. Wenn die kleinen Rackerchen kleben bleiben. Ja, Himbeer, setzt euch nur hin, auf euren Arsch! Fliegendreck! Fliegendreck! Fliegendreck!

Samstag, Februar 24, 2007

263

Im Fluss reift ein Obelisk

Im Bus war wieder die Hölle los, und während ich in der ganzen Zeit davor ganz oben auf dem Hochhausdach stand und auf die Plattform wartete, die mich im Wechsel mit anderen auf die andere Seite bringen sollte (es ging überhaupt kein Wind!) und während ich aus lauter Ärger über das zögerliche Transportieren die Treppen nach unten stolpern wollte, saß ich auch schon irgendwann im Innern dieses riesigen Busses. Sah aus den Fenstern und sah die mehrspurige riesige Stadtautobahn. Sah dieses riesige deltaflügelige Flugzeug, das so unmittelbar über uns weg immer tiefer flog, entlang dem dünn geschleiften und spärlich befahrenen Band der Autobahn, immer tiefer, das Ding wollte landen!

Das riesige deltaflügelige Flugzeug versuchte tatsächlich zu landen, die Nase hoch aufgerichtet, den Hintern mit dem Hauptfahrwerk vorgestreckt schwebte es über dem Berg- und Talband der Straßenführung, es verschwand hinter dem nächsten größeren Bergrücken und hinterließ eine Welle gedehnter Zeit, eine flach atmende Spannung, an der man sich weiter mit aller Gewalt festklammern wollte, ein Meer aus wattierten Gedanken, bis ein hässlicher Todespilz aus schmutzigem Rauch hoch in das blaue Nichts sprang und allen klar war, das hieraus nichts Gutes mehr entstehen konnte, nur ein schnelles gnädiges Ende. Mensch seht mal, da rechts, der landet, hatte ich noch gerufen.

Was dann ebenfalls landete, und zwar rechts hinter dem Bus war ein rundes großes Teil einer Turbinenabdeckung, die durch die Luft an uns vorbei segelte und aufschlug, und die lange dünne Frau, die gleich hinterher kam, die durch die Luft gerissen worden war und dann auch aufschlug. Sie kam lang, sehr lang ausgestreckt daher geflogen und ich habe weggesehen, als sie aufprallte, ich habe nur hingehört, und das Geräusch war bei weitem nicht so schrecklich, wie man mir das in Büchern immer geschildert hatte, es klang dumpf, aber es raschelte auch fast ein wenig. Als ich wieder hinsah, lag sie auf dem Asphalt wie eine fadenlose Marionette. Danach wollte ich nur noch heraus aus dem Bus, ich rief und zerrte und fand tatsächlich einen altertümlichen Griff, der mir und den anderen tatsächlich die hintere Tür öffnete, auf eine Straße, die immer noch hupte und lärmte, wenn auch weniger stark. Als wäre das Flugzeug, dass da eben über unser Köpfe weggetaumelt war, weitergeflogen und irgendwo sicher auf der Wiese gelandet. Das Turbinenteil und die Frau kannten eine andere Geschichte.

Irgendwann kam ein ICE aus einem Tunnel nebenan vorbei, seine Nase war zerstört, Blechstreifen hingen herab, aber er fuhr noch, wenn auch vermutlich nicht dort wo er eigentlich sollte, er brach durch eine dünne Blechwand, fuhr dann anschließend in einem harten Bogen wieder hart nach links gegen die Richtung der Landung zurück in den Blechberg oder darum herum. Immer noch war keine Panik im Entstehen oder schon entstanden, immer noch gab es keine Rettungskräfte, die wellenweise an uns vorbei zum Ort des Grausigen fluteten, es war als warteten alle auf eine besondere Art der Erlösung, und die Spannung wurde größer und größer, wenn das Seil zerriss würde es uns alle umbringen. Aber alles lief weiter wie gehabt, nur verlangsamter, die Zeit hing schwer hinter und über dem Berg.

Wahrscheinlich kurvten gerade hinter dem gnädigen Buckelrücken einzelne Gefährte langsam durch den Rauch um Wrack- und Menschenteile, um die Koffer und das andere Strandgut herum. Oder sie fuhren darüber weg, vorsichtig, wegen des Wagens, damit dieser nicht beschädigt wurde und sie zuhause keinen Ärger bekamen, mit dem Rest der Familie. Irgendwo hinter dem Rauch musste es schließlich weitergehen. Irgendwie. Irgendwann.

Freitag, Februar 23, 2007

262

Gehirnstrom
(Gehirnsturm)
(Gehirnstrumpf)

Wir sind die Unvermeidlichen
immer älter bis wir unvergänglich sind
bis wir das heilige Mahl verschlafen
die unheilige Frau, blutige Marie
ach ja, kreidefressende Marie
hat sich den Wolf geträumt
und dann auf in den Wald
die geheimen Kammern suchen
aber da war nur ein Wald
und vielleicht mal ein Haus
auch noch ein Aussichtsturm
für Blindgänger nein Taubwanderer
also Wattläufer, also doch: Lautmaler
drehen wir die Schlange erst aus Ihrem Kleid
da drehen wir die Schlange doch aus Ihrer Haut
bis Sie Unschein offenbart, bis nichts mehr glitzert
ein Hundertwasser oder mindestens Jahrhundertbier
wir wissen es nicht besser, hat man uns eingetrichtert
Kraut und Rüben
Kraut und Wiesen
Kraut und rote Beete
nein grüne Beete, so weit ein Gartenauge reicht
so grau der Himmel
kleine Fluchten, Himmelsschluchten
wölkische Paradiese
siehst Du die Schäflein
wer hat die ganzen Schäflein
und wie klein

261

Glashart ist ganz wo anders

Und Kusshände waren immer dabei, wenn die Lichtspieler unter die Leute gingen und kamen, uns den Glanz und die Helligkeit in die Häuser und Köpfe zu bringen, die Lichtgaukler, die Lichtbalancierer, die Lichtclowns und Lichtdompteure, die fahrenden Lichtgestalten, die Lichtmaler, die Lichtwerfer und -fänger, die Lichtnasen, Lichtsprudler und Lichtäuger, die Lichtbeschwörer und die Lichtküchenmeister und Lichtusionisten, viel fahrendes und lichtes Volk war damals unterwegs und hatte viel zu erzählen und gegen ein paar Münzen auch zu zeigen.


Das war ein Spaß, ein schöner Spaß, ein heller und netter Spaß, keiner von der Sorte, bei dem man morgens in aller Frühe ein lebendiges Ferkel ins Bett gelegt bekommt, oder einem einer die Räder vom Rad lockert und die Schrauben dafür in einem Säckchen an den Baum hängt, der auf deinem Weg zur Schule steht, das Du erstaunt und gerade noch rechtzeitig öffnest, bevor Dich das vordere deiner Räder verlässt und Du dich die nächsten Wochen nicht mehr auf den Weg zu machen brauchst, weil keiner deiner Knochen da ist wo er früher mal war. Jedenfalls waren die Lichtartisten eine der wenigen Abwechslungen im Jahr, die umso heftiger geliebt und erwartet wurden, als sie mehr oder weniger nach eigenen Gezeiten lebten. Manchmal kamen Sie früh im Jahr, manchmal später.


Als sie irgendwann gar nicht mehr kamen, herrschte eine lange Weile eine ziemliche Verwirrung. Bis der Bürgermeister die Sache in seine administrablen Hände nahm, das ganze Dorf zusammenrief und die Sache erklärte. Die Lichtgaukler seien ab sofort ausnahmslos verboten. Es wäre eine neue Zeit angekommen, in der bald jeder sein eigenes Licht haben könnte. Die Lichtgaukler und Lichtspieler hätten das bisher verhindert, indem Sie das Licht gefangengehalten und der Bevölkerung vorenthalten hätten. Jetzt aber würde die Regierung durchgreifen. Und bald schon würden aus der Stadt Techniker kommen und Drähte spannen, aus denen dann jeder sein persönliches Licht empfangen könnte, ganz nach Bedarf. Nein er wisse auch nichts Näheres, es gebe nur diese Nachrichten.


Es dauerte dann nochmals drei lange stumpfe Jahre, bis wir endlich das Licht in die Häuser und sogar welches auf die Straßen bekamen. Aber es war ein anderes Licht, kein Vergleich zu dem, welches die Gaukler und Artisten uns früher gezeigt und vorgeführt hatten. Das Licht, das wir jetzt bekamen, war müde, bereits halb verbraucht und immer schlecht gelaunt, kein Vergleich zu dem quirligen irrwischigen Wesen, dass sich in früheren Zeiten aus den Händen und Körpern seiner Meister materialisiert hatte und dann ringsherum um uns getanzt und gelaufen und über die Dächer der Häuser gesprungen war, dass es die hellste Freude gewesen war, ihm dabei zuzuschauen. Jetzt mit den Drähten war diese Lebendigkeit Vergangenheit. Zwar konnte jeder tatsächlich sein eigenes Licht mit nach Hause nehmen und jederzeit herauslassen oder wieder in den Draht zurück schicken. Aber die ursprüngliche Heiterkeit wollte bei dem neuen Licht nicht mehr aufkommen. Anders als vorher wurde deutlich, das es zum Licht immer auch Schatten gab. Und manchem von uns dämmerte sogar, dass eine neue Zeit nicht nur angenehme Seiten bereithalten würde. Und dass den Reden der Regierung nicht immer unbedingt zu glauben war.


Die Artisten blieben seit diesem Tag mitsamt ihrem Licht verschwunden. Als hätte der Erdboden sie verschluckt. Oder eines der zahlreichen Gräber, die damals überall vom Militär an den Strassenrändern neu ausgehoben wurden. Eine neue Zeit braucht eben ihre Opfer, sagte der Bürgermeister, und zog weiter an seiner neuen Pfeife. Über den Dächern baumelten lose Drähte. Über den Drähten zog lichtloses Grau.


Betragen & Betrügen 2009

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