Sonntag, Oktober 19, 2014
629
Frisch vom Katapult, alte Schleuder
Sagen Sie jetzt nichts. Das sagt schon alles. Ich höre es, wenn jemand lügt. Die Wahrheit hat schöne Knie. Und wenn sie nicht gestorben ist, trägt sie gerne ein Kleid. Es tut mir leid um sie. Die Kernbotschaft lautet: ganz innen ist es ganz finster. Eine Welle an Erinnerung, ein Boot des Vergessens. Ein Ausschöpfen der wirklichen Momente. Mir wird ganz matt von dieser Trockenheit. Meine Zunge schwillt schon an. Jetzt einen Regenschirm, das hätte vielleicht geholfen. Am Eingang zur Unterwelt sitzt ein Hund mit großen Feueraugen. Wer mag kann sich ein wenig Kohle mitnehmen. Zum Zeichnen, zum Wärmen, oder nur zur Erinnerung. Das ist mir geblieben, denkt man, wenn man sich das Stück in den Rucksack steckt, zu den ganzen Kontoauszügen. Dann wird einem ganz schwer ums Herz. Verflogen. Mein Vogel ist mir aus dem Kopf entkommen. Nun ist da nur noch eine leere Kuppel. Und so ein Echo ist auf Dauer auch nicht schön. So ganz allein. Hallo, Echo. Stichwortgeber, mitten ins Herz. Ich denke, ich bin doch kein Abenteurer. Über kurz oder lang hauts mich doch nur hin. Elegant oder nicht. Mit Schwarmintelligenz komme ich allein nicht weiter. Die Brut braucht jemand der sie füttert. Nur Mut, Genossen. Geniessen wir die freien Tage. Unter der Scholle rumort es mächtig. Hans Dampf ist in allen Gassen. Wenn das mal gutgeht, mit solchen Schuhen. Ich glaube, das kann man so stehen lassen. Terra Cotta. Terra Nova. Laba Laba. Sendeschluss. Ich schiebe noch ein Viertelstündchen.
Donnerstag, Oktober 09, 2014
628
Wie der Franz den Kranz bekam, ganz ohne Scheiss
Großvater war mächtigst erstaunt als man ihm das mit den Verwandten erklärt. Hols der Geier, soll er gerufen haben. Hols der Geier! Hat aber nicht funktioniert, wir sind alle noch hier. Stumm glänzen die Fische. Im Goldfischglas sind zwar nur noch Bonbons. Den Karpfen haben wir freigelassen. Die Drachen sind auch schon weg. Ganz zu schweigen von den Katzen, dem Nilpferd und den Terrassenfröschen. Mir fragt ja keiner. Mir geht ja immer einer. Nur wieso nicht. Und wer hat eine bessere Antwort auf diese Malaise? Malaise klingt irgendwie nach Soße. Bitte reichlich Soße. Man kennt sich ja sonst nicht. Und Schweinebraten soll knusprig werden wenn man ihn lässt. Das ist aber auch beim Sonnenbaden so. Im Fernsehen bringen sie immer so schöne Beispiele. Nennen Sie mir einen einzigen Grund, der nicht unter Wasser liegt. Selbst die Brunnen sind nicht mehr das was sie früher waren. Die Bretter sind auch nicht mehr aus Holz. Fach um Fach wird weiter geschwiegen. Ein Pferd macht noch keinen Sommer, solange es nicht aus Heu ist. Heute ist mir außerdem eines klargeworden: Brillen putzt man nicht mit den Fingernägeln. Schlagen wir uns das aus dem Kopf. Das tut aber weh. Das ist egal, solange es nicht tödlich ist. Ein wenig Blödheit hat noch niemand geschadet. Mir am allerwertesten. Fragen Sie jemand der reich ist. Wenigstens bin ich nicht taub. Sondern musikalgeschädigt. Ich kann keine Noten mehr sehen. Das wirkt alles so methal. Ich bringe den Müll runter. Aber wir wohnen im Erdgeschoss! Egal, dann bringe ich den Müll raus. Aber beeil Dich, wir werden gleich gefeuert. Du willst doch immer nur ABER sagen. Sag lieber etwas anderes. Oder, oder so. Oder vielleicht. Oder genau. Oder mach was Du willst. Das wäre mir das liebste, Liebste. Sag: was Du willst. Ich bin dann mal weg. Und der Müll, der kann warten. Hat er gelernt. Auf der Müllschule. Da waren wir alle schon einmal, und kommen wieder hin. Die Industrie braucht neues Futter. Der Herr Direktor heisst jetzt Ma-nager. Weil er so oft an schwierigen Problemen kaut. Der Herr Ma-nager ist ein guter Mensch. Weil er Plätze schafft. So ein Schaffner braucht schon ein Ziel. Sonst steht er rum und schnauft. Wie eine Lokomotive. Und in Leipzig nähen sie schon wieder Vorhänge. Wer will das sehen. Wie soll das sein. Wir sind das Volk. Wir sind die Milch im Eimer. Und oben schwimmt das Fett. Wer im Regen Fahrrad fährt wird übrigens nass. Deshalb haben wir eine Tankstelle. Gottseidank ist das Benzin nicht auch im Eimer.
Mittwoch, Oktober 08, 2014
627
Eduardo macht den Mund nicht zu
Donnerstag. Es ist aber ganz still. Heimlich eine Heckenrose geschnitten. Das hat vielleicht geblutet. Habe wahrscheinlich wieder ins eigene Fleisch geschnitten. Nicht schön. Aber heiss. Etwas Warmes braucht der Mensch. Gestern war Walpurgis. Der Besen blieb aber im Haus. Bin auch so ganz aufgeregt. Habe mich wieder hingelegt. Bin wieder aufgestanden. Ein komisches Gefühl bleibt. Gebe ihm etwas zu trinken. Das komische Gefühl will nicht gehen. Phantomschmerz. Schwarze Ringe um die Augen. Beisse auf die Heckenrose und singe ein Lied. Frau Müller hört nicht zu. Soll mit dem Gestammel aufhören. Esse die Heckenrose und blute jetzt aus dem Mund. Nicht weiter schlimm. Etwas Liebe braucht der Mensch. Bestelle mir gleich zwei Sack. Rechne aber mit Lieferverzögerung. Mache mir keine Hoffnungen. Bin Realist. Lege mich wieder hin. Träume von Schwammtauchern. Bald ist Freitag. Die Gitter an den Fenstern rosten schon.
Dienstag, Oktober 07, 2014
626
Schales Schmatzen, aber dezent
Raubwolke, nachts, zwischen den Zähnen noch die Wäscheleine. Unterhosen und Übersocken flattern leise im Wind. Das himmlische Kind hat schon Feierabend. Ein Bier geht noch, langsam den Hügel hinauf, zu den anderen Idioten, die freudig darauf warten, einer armen Flasche den Kopf abzuschlagen. Der Schaum der Tage fällt in einen Bottich weißer Farbe. der Priester (ganz hoch oben, auf dem Kinderstuhl) predigt Verzicht und greift sich das nächste Hühnerbein der dünnen Ministrantin. Es kommt soweit, dass man den Glauben verliert. Die einzige Hoffnung sitzt unter der Tischplatte und reibt sich die Augen. Ein blonder Knabe, ganz in blauem Samt, schwebt sanft durch den Mittelgang, umflort von feinem Ätherflor. Alle Anwesenden und Verwesenden halten sich an den Händen und singen A Capella. Ein Glöcklein fällt die Stufen der Himmelsleiter herab, den Klöppel herausgestreckt wie eine lederne Zunge.
Draussen malen sich die Konquistadoren Schnurrbärte ins Gesicht. Ihre fetten Kater sitzen auf einem Haufen rostiger Helme und schnurren eifrig. Das Gold der untergehenden Sonne schmilzt am Horizont bedächtig vor sich hin. Ein Tempelritter kommt aus der Richtung gewankt und ruft nach seiner Nase. Niemand kümmert sich um ihn. Er setzt sich auf die ergraute Wiese und fängt an zu beten. Der Blitz, der ihn trifft ist purpurfarben. Nun schlägt die doch noch anwesende Kirchturmglocke auf dem doch noch anwesenden Kirchturm Alarm. Der Jackpot wurde geknackt. Alle Augen richten sich auf die Häuserfront, in der sich die Umrisse einer dunklen Gestalt abzeichnen. Es beginnt zu regnen, die Umrisse verwischen. Die Marihuana-Pflanze an der Ecke ist in der Zwischenzeit wieder einige Meter gewachsen. Ihr Stamm ist so stark und fest, dass die eilig angerannten Kiffer sich die Zähne ausbeissen. Ratlos sehen sie sich aus rotberänderten Augen an. Der Oberkiffer gibt jedem ein Universal-Streichholz und ein Büschel Winterstroh. Bald ziehen muffig riechende Schwaden durch die Gassen und Winkel, die Menschen und Tieren werden ganz grün vor Glück und bleiben in Ihren Häusern. Auf dem Festplatz liegen ein paar Bierleichen und stinken aus dem Mund. Die netten Katzen von nebenan haben einen Weg durch die Marihuana-Schwaden gefunden und legen sich ihnen hilfreich aufs Gesicht. Ab und an zittern ihre feinen Silberfellhaare. Winnetou kommt und verleiht Ihnen den Kastanienorden. Dann reitet er wieder in den Westen. Er scheint immun gegen die Schwaden zu sein, die sich auch langsam verziehen. Die Kiffer sind längst zu grünem Staubzerfallen, mit dem der Wind noch müssig spielt. Dann setzt er seinen Sturmhut auf, reisst dem Wetterhahn auf dem Kirchturm ein paar Blechfedern aus und stürmt davon. Die Menschen unten wachen auf und sind wieder schlecht gelaunt. Sie freuen sich.
Das hätte sich keiner zu träumen gewagt. Ausser mir, natürlich.
Montag, Oktober 06, 2014
625
Dem Lebn iss gleisch alles wurschd
Sonntag nachmittag, Volkspark. Sonne. Banküberfall. Haste maalne Sigarette? Ich rauch doch gar nicht mehr. Ich paffe nicht mal mehr. Ich denke gar nicht daran. Rauchen ist stinknormal. Um so mehr, um so weniger hat man. Kippenberger. Oder was bleibt übrig. Monetenberg. Monegassen. Goldene Hundehüttendächer. Ich geh heute mal Gassi. Und die Leine, Brokat und Seidentücher. Das hat man gern. Also sich selbst, ist ja ein Spiegel, so eine Töle. Tölenspiegel. Kristallklar erscheint einem das Ich und bellt oder leckt sich am Arsch. So ein Arschloch schmeckt vielleicht, naja. Muss mehr mit Nase denken. Hat ja sonst keinen Sinn. A Popo Sinn: der Dachstuhl brennt, also vor Langeweile. Hat sich schon lange keiner mehr ausgezogen. Nur die ganzen Kartons stehen rum, die Verkleidungen, die Hüte, spitze Schuhe, die der plattgetretenen Existenz nicht mehr an den Fuss wollen. Ja, Absatz wäre auch ganz nett. Bitte. Bitte schön.
624
Nitro vs. Erdapfel
Kreuzberg, Dreck, und Allerweltsgeampel. Morgenstund, Unschuldsvermutung. Rotes Raunen über der Stadt. Schweigen. Brötchenschlitz vor Stahlfinger. Hoffnungslos. Aber wie wahr, wie wunderbar, wie weich. Wieso?
(Weekend, Weapons, War, Weather)
623
Der Elifant frisst einem das Brot von der Leitung
Wie man es nimmt, es ist immer zu kurz, das ND der Wurst. Aber der Anfang war schon komisch, ich habe mich dreimal verschrien, nein, verschrieben, nein, ich will nicht wieder käuen oder wider dem Stachel röcheln, ich kenn ja nur die Walze, nicht den Würfel. Hat man genug von. Nichts. Aber schon gar nichts.
Angeber Nummer 2 grölt wieder Rumseck. Angeber Nummer 3 ist auch da, völlig von der Traumrolle, kannst du Elfen? Oder soll isch Trolle? Die große Felsennadel fiel nach unten und schon war alles Kaputh, nirgendwo in Brandenburg. Wenn man nicht aufpasst, wir sitzen schließlich alle im gleichen Boot. Aber es kommt auf die Perspektive an. Auf das Sehrohr.
Hoppla. Angeber Nummer 4 ist aus dem Fenster gesprungt. Keine Panik, nur Fallsucht, aber auch nicht arg, wir sind hier Herdgeschoss, haben aber kein Holz. Also mal kalt jetzt. Eine Nummer und kein Anfang. Lassen wir uns ruhig noch etwas einfallen, Hütte, Haus, Scheune, Mehrzweckhalle. Oder das Erdloch.
Angeber Nummer 5 hat die Hose offen. Es riecht nach Stall. Den Draht an der Zunge, so rauh, und nie die Tür ganz verschließen. Da am Herrizont ist wieder eine Auszeichnung fellig, brauner Bär am Bande, Magervision, von wegen Minister. Den gleichen Speck hatten wir schon im letzten Jahr, das Gnadenbrot davor. Ich bin so mental bloss noch Haut und Knochen, mit Hase, nein Haare zwischen die Zähnen. Na gut, wenigstens brennt hier nicht der Baum. Ist eben noch nicht Wiihnacht. Aber beinah, oder bald. Rot zipfeln die Mützen allüberall, Zwergenaufstand. Man muss sich nur anpassen. Schon wird´s was mit dem Wunschzettel.
OK - weniger ist Magermilch,und die streckt einem dann wieder die lange Nase entgegen, oder was man so dazu sagt. Ich bin klein. Mein Herz ist so frisch. Ich bin naga putram. Kolossal. Dann haben Sie ja hier noch was zu tun. Ich glaube, dass ich denke. Ich denke, dass dawas war, aber jetzt ist es davongerannt. Eine Stunde später läuft mir wieder alles aus dem Sinn. Hatten wir nichts besseres zu tun? Nein? Oh. Verdammt.
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