Montag, Februar 12, 2007

252

ichweissauchnicht (so genau)

jedesmal an dem baum vorbei, jedesmal den ast, gesehen erinnert, das geräusch gehört, das seil gehört wie es den ast entlang scheuert, das pendeln, die welt, wie sich dreht und wendet und wirbelt, ein letztes mal und gleich wieder, das klammern. und dann die rundung spüren, das trockene im mund, wenn man näherkommt und ihn anfasst, sich erinnert, und sich irgendwann hinsetzt, doch hineinsetzt,in den guten alten reifen. heh, andere hatten eine schaukel, und? das war wein. wir hatten bier. gutes, schwarzes bier an einem seil an einem ast an einem baum auf einem berg über der stadt. jeder durfte mal,und wenn keiner da war sowieso. das hollywoodschaukeln von gutem reifenbier, rund und angenehm.

dann sind wir weggezogen. und ich habe nie wieder bier getrunken. dem reifen ist irgendwann der strick abgefault, er ist den abhang runter und irgendwo liegengelieben. bis ihn jemand gefunden und zum müll gebracht hat. war ja kein pfand drauf. war bloß irgendein reifen. außerdem soll wein gesünder sein als bier. kommt aber auf die farbe an.

251

ein klingeln und ab zur tür

lederleine. lederschlaufe. lederliebe. lederpost. lederhaus. ledergabel. ledername.
ja ledername, der hat einen richtigen ledernamen, zum draufrumbeißen wenn es einem wieder schlechtgeht, man nimmt einfach seinen namen in den mund und kaut sich kräftig einen, die kiefer wund, bis es schmerzt. bis es weh tut bis es wehtun tut, bis es aua macht, ja ledername, jeder buchstabe ein grund mehr sich daran festzubeißen, post vom zahnlückenmann. he ich wollte ja, aber das war dann noch zu wenig in mir drin, ich brauche mehr wut und unheil, dann krieg ich das auch hin mit dem durchbeißen!

wie geht er denn, der ledername, wie lautet er?

keine Ahnung, hab ich vergessen. irgendwas mit k. oder h. oder mit m?
so wie malmö vielleicht?

weiß wirklich nicht. hab ich irgendwie aus dem kopf gekriegt. war dann weg, ohne große lücke zu machen. ist auch kein ding, war nur ein name. schall und rauch, weiß ich auch. und leder, naja. nehm ich halt wiede die baumwollfetzen. oder das gute alte holz. guten morgen, frau birnbaum.

Freitag, Februar 09, 2007

250

frau anna und das pfand der weisen

nein. keine wahl. wir hatten keine wahl. erst erste wahl. dann zweite wahl. dritte wahl. immer nur besetzt-zeichen. keine wahl. ich konnte sie nicht erreichen. also habe ich ihnen einen brief geschrieben und in den brief einen stein gewickelt und das ganze auf die mauer gelegt, zu den anderen, ja da waren schon viele. andere andere, an diesem platz an dem sie hoffentlich irgendwann einmal vorbei kommen und sich sich sehen lassen werden. da wartet nun ihre botschaft auf sie, aber nehmen sie es nicht so schwer. den stein kann man getrost zurücklassen, soll ein anderer sich die nachricht beschweren, damit der wind sie nicht fortträgt. noch ein aber - bedenken sie: nicht in den fluss damit, sonst tauchen die kinder wieder hinab um sich und uns die steine vom grund holen, die steintaucher-kinder. für ein paar münzen holen sie uns den stein für das papier für die nachricht für die menschen wie sie, die irgendwann vielleicht hier einmal vorbei kommen werden. die ganze uferpromenade ist schon voll mit lauter papierumwickelten steinen, als hätte keiner mehr die zeit seine nachricht zu lesen. vielleicht machen wir ein mirakel daraus, oder ein orakel. wer den ersten stein nimmt und wirft und wessen papier sich dann nicht löst, der hat den gewinn.

ach so, sagt herr getz, ein spiel.

nein, sagt frau anna, eine befreiung.

Donnerstag, Februar 08, 2007

249

die gnade im zeichen der wertschöpfung

ständige vertretung
ständige verkehrtung
ohne vorherige vorkehrung
ohne vorhersehung ohne ersichtliche
kontemplative komplikation
versehrung verzierung
verzehrtenabzeichnung
versehrtenbereich blende eins
erblindetes verstehen
ohne verbindlichen unverstand
völkervergänglich völkerversehen
verbindliches völkerbegehen
völkisch betrachtendes abendmahlen
staatenfraß
der zug ist wieder
nebenbei!

248

herr zog strauß rund ums eck


erste blume

wer redet denn von blättern von blechern von blechernen blättern auf zinnlosen dächern, haben sie heute schon wertloses zeug überall, kein aal, kein frischer fisch, kein bunter barsch, keine müde trübe. wir heben einen ganzen schweinetrog mit den zähnen wenn es sein muss, aber es muss ja nicht. aber es muss ja nicht.

zweite blume

da schnüre ich mir doch da schnüre ich doch lieber, da schnüre ich doch am besten das: fuß, fuchs, paket, ein feld auf offener wiese, ja sie haben richtig gehört, wiese, die wiesen bringen einen um den verstand hier, die haben blaugras hier, blautannen gehen noch, einmal an weihnachten ist das kein ding, aber blaue wiesen, jeden morgen fallen sie mir über das fenster herein in die stube und bringen den ganzen tag durcheinander, blaue wiesen, ja wer hat denn sowas auf der palette!

dritte blume

es ist dienstag und so wird es auch bleiben, egal wie viele füllwörter wieviele wörter ich noch reinschmeißen werde in den see den wörtersee, da wo jetzt schon die silben und buchstaben und die kommas und kreuzchen und wo die striche und strichpunkten sich den hals halten und verrenken und verankern. stumm perlt die unternehmerbrause im bleiernen glase. im besten sinne unterbezahlt.

vierte blume

also eine ganze meile weiter und eine halbe miete mehr und hast du nicht gesehen und kolb rage und kolk rabe und schwarze gestalt und weißes pferd und wieviel sternlein stehen und wer hat den mann im mond gesehen und warum sind alle transvestiten eigentlich immer nur so groß, und wer war der mond schon immer, oder ist er nur ein lampiada, der grüne großleuchtkörper festangestellte. ja das passt. ja das passt mir bestens ins beuteschema. grüne vergissmeinnicht, grüne apfelkotze, grünes irrlicht, über die sümpfe stolpernd, bis einen ein gnädiger saug nach unten flockt, nein zieht, also manchmal braucht man eben ein wenig sanfte gewalt, sonst bockt man sich nur ewig so weiter und so weiter und bockt und verbockt und bleckt die zähne wie ein rind, nein das kaut, also wie ein tier im wind, im warmen abwind der gasfabrik, da kannst du blecken was du willst, da kannste machen wie du denkst da kannste dir einen abstecken, da erzählt dir keiner mehr was vom frommen fisch und dem frohen reiter, der den ganzen langen tag den langen weichen hals verkrault. da nicht!

fünfte blume

bliebe noch das blei in den knochen auszukratzen. bliebe nur noch das blei in den knochen auszukratzen und einzuschließen, auszumalen. wie die augen der nachbarin, ganz blau. ganz grau. ganz wut. ganz gut. und wer wenn nicht sie. und warum wenn nicht jetzt. und wie?

Sonntag, Februar 04, 2007

247

das wunder der dose


nee.

ich bin gerda. ich bin geradewohl. also ich bin geradewegs aufs gerade gleis geraten. und da habe ich dann eine menge guter dinge getan. glaube ich. aber wie kann man gute dinge tun? herstellen, ja, aber tun? was ? antun? wegtun? grüntun? rottun? blautun? tunfisch? säge. vor allem säge.

nee.

und im zweiten regal wartet eine büffelbüchse, also so eine kuhdose, einmal drehen und es macht muuh oder määh oder miih oder wie, also irgendwie. und der schuh aus dem ich mich heute in die welt trau, aus diesem schuh also wird eines tages eine blume wachsen, ja blume, eine butterblume, genährt vom fett meiner schwitzenden füße. eine fußfett- und schweißblume. meine fußfett- und schweißblume. groß und rund wird sie sein, und leuchtend. so stark leuchtend, dass man sie nachts über die felder sieht, und keine kuh wird sich trauen sie zu fressen. wär auch noch schöner, ein ganzes leben durch die gegend gelaufen zu werden und dann als großer haufen zu enden. andererseits wird auch ein schuh draus. weil man könnte man dann die wiese düngen und die wiese würde weiter wachsen und anfangen selbst zu leuchten, immer mehr. immer mehr kühe würden kommen und haufen machen aus den pflanzen der leuchtenden wiese, die haufen würden sie überall verteilen, in der ganzen gegend, bis über die jahre. bis über die jahre dann irgendwann ein ganzer landstrich mit leuchtenden wiesen und blumen voll wäre, und sogar die astronauten und die kosmonauten und die chinesonauten würden das leuchtende land sehen und sich wundern. und alles nur weil ich soviel gelaufen bin und meine füße dabei so geschwitzt haben. naja. besser als geschwätzt. schwätzende füße. wo gibt es denn so was. ruhe da unten!

nee. es fängt gerade erst an.

Donnerstag, Februar 01, 2007

246

frau gerdada auf dem sofafa

nur dass die toten mir so langsam so viel platz wegnehmen in meinem kopf. sitzen überall rum und sehen sich stumm durch die knochen, oder lesen zeitung und schütteln ihre toten köpfe, dass man angst kriegt die könnten abfallen von ihren schultern und hinter stühle und tische kollern und da liegen bleiben, während die armen toten kopflos weiter sitzen müssen und wissen wollen wie ihnen geschieht. aber machen sie das mal ohne kopf.


Betragen & Betrügen 2009

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