Hundeknecht und Herrenvogel
Vorher war nachher. Nachher ist jetzt. Zu spät, würde man sagen. Aus der Zeit, könnte man sagen. Verfehlt, versagt, verzagt. Unter allen Voraussetzungen. Also machen wir Platz. Ich bin ein Tagesgeschäft, ich bin eine Tagessuppe, mit einem Petersiliehäufchen in der Mitte, und einem Salzsediment auf dem Grund. Schmeckt man, sieht man nicht. Verwirbelt man mich, werde ich unklar. Löffelt man mich vollständig aus, leidet man an Geschmacksverirrung. Abgestumpft, würde Holzer sagen. Total versaut, würde Chefkoch sagen. Unbedingt abgeklärt, würde der Andere sagen. Wir haben Glut. Wir haben Asche. Wir stehen für alles gerade, was man uns vor hält. Also auch dieses Licht, das uns vor der Nase herumtanzt. Spielerisch, versteht sich. Mutter, wir brauchen Kohlen. Ja, egal, ob es jetzt das Heizöl gibt, das Heizöl ist zu teuer. Schmierig, das. Da graben uns dann die anderen wieder das Wasser ab, mit ihrem Öl. Na so eine Überraschung. Na so ein Untergrund. Na so ein gebetsmühlenartiges Zerwürfnis. Ich bin einmal mehr, ich bin zweimal weniger, ich bin dreimal den langen Weg, aber die Gabel war stärker. Sind das da Freudentränen? Ach ja. Ach nee. Ach sowieso wie alles andere viel zu spät, und begriffen haben wir gar nichts, es gab auch keine eine andere, zu spät, die Lösung heisst Fortkommen, die Lösung heißt Benzin, die Bündnistreue abfackeln, die Häuser flammenfest, ja das wird ein Flammenfest. Abschlussbericht: Ich und Miss Golightly, abends auf Golgotha, und den ganzen Weg zurück auf den den Schädeldächern. Leise Sohlen, hier schlafen Jahrhunderte an Ungerechtigkeit. Früher hätte man das anders gelöst.
Montag, Juli 07, 2008
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Freitag, Juni 27, 2008
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Schön sitzen und so
Aprikosenhälften. Aprikosen helfen nicht. Aprikosen helfen nie. Nicht dass man es nicht versucht hätte wieder und immer wieder. Aber Aprikosen helfen nie, bei allem Möglichen. Die Hälften hier oder dort, oder da, oder nirgends. Aprikosen helfen nicht einmal bei Hautbrand. Ebensowenig wie schwarzes Papier. Schwarzes Papier gibt einem nichts. Schwarzes Papier kann man nicht lesen. Keine Botschaft weit und breit. Keine Geschichten, um sich darin einzuwickeln und den Tag zu überstehen, oder wenigstens die Nacht. Keine Häuser, um die Tür sich zufallen zu lassen. Keine Schatten, keine Sonnendächer, keine kühlen Terrassen.Schwarzes Papier gibt einem nichts. Es zerfällt im Kopf. Es fällt einem in den Kopf, und bleibt da liegen. Mein Kopf ist voller schwarzes Papier, meine Räume sind voller schwarzem Papier, meine Träume rascheln. Eine dunkle Ahnung weiter öffnet sich das Licht einen Spalt, einen Katzenaugenspalt, das Auge des Tigers brennt sich durch mein schwarzes Papier. Ich könnte glücklich sein. Aber ich habe Angst. Und nur noch wenig Aprikosen.
Montag, Juni 23, 2008
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Apfelkuchen wär auch nicht schlecht
Es war einmal ein Schaf, das wollte unbedingt berühmt werden. Weil es nicht singen konnte und auch sonst von eher unaufdringlicher Natur war, entschloss es sich, ein Feuerwehrauto zu werden. Also saßen in seinem Bauch immer drei kleine Feuerwehrmänner mit Helm, und der Fahrer, auch mit Helm. Die waren fröhlich und freuten sich auf das nächste Feuer, das sie löschen konnten. Sobald das Feuerwehrschaf dann von einem Feuer hörte, machte es sich eilig auf den Weg und blökte zwischendurch Alarm, damit es niemand über den Weg und über den Haufen rannte. Weil die anderen Feuerwehrautos aber Räder hatten, waren sie immer viel schneller als das Feuerwehrschaf am Feuer und konnten viel schneller löschen, so dass es für das Feuerwehrschaf, wenn es blökend um die Ecke bog, nichts mehr zu tun gab. Das machte dem Feuerwehrschaf und seinen Feuerwehrmännern aber nichts aus. Schließlich mussten sie sich so nicht schmutzig machen und das gefährliche Feuer war auch schon lange besiegt. Also freuten sich das Feuerwehrschaf und seine Feuerwehrmänner, sangen noch schnell ein furchtbar falsch gesungenes Lied und trabten zurück in den Stall, zu ihrer Feuerwehrschafwache, wo sie erschöpft einschliefen. Was war das wieder für ein anstrengender Einsatz gewesen!
Sonntag, Juni 22, 2008
435
Raketenangriff, die Kasse zahlt
Von unten nach oben: nie mehr auf dem Dung tanzen, nie mehr die eine Backe mit der anderen vollstopfen, nie mehr Haarsträuber in die gemeinsame Ecke ziehen – die wollen das nicht wirklich! Aber soweit muss es nicht kommen. Bleiben wir friedlich, bleiben wir schön. Nähen wir uns die Zornfalten aus dem Gesicht und reihern sauber zwischen das Schilf. Ein Rohr oder Baströckchen, wo ist denn da ein Unterschied. Nur das Schwarze im Gewehrlauf meines Feindes spricht Bände, hugh, großer Seitenscheitel, ich blättere um. Genützt hat es wenig. Vielleicht hätte man besser predigen sollen, aber die Kochkessel waren schon vorpoliert, meine Fresse, was haben wir gelacht. Übrigens: dicke Stubenkatzen sorgen für die Reinhaltung des Bodens. Nur immer schön Fett in das Schälchen, dann glänzen Bart und Dielen, oder Stragula. Wer Kalzium will, soll nicht nach Magnesium fragen. Sagt Herr Schröter. Und der muss es wissen, der alte Mineralist. Gut ist, wer hier ist. Wer bleiben will, muss sich woanders umsehen. Baumann. Blaumann. Alte Schule, Tannengrün. Ach, die Wegweiser sind ganz aus der Mode, wie schade. Fragen wir eben wieder die Maiglöckchen. Jetzt, im Juni?
Freitag, Juni 20, 2008
434
Die Uhr sagt Peng
Kameramann, Linse 1, unter Tränen und fürchterlichem Kauderwelsch gestand er ihr, was er ihr vorher nie, auf zwei, drei, und endlich auf allen vieren. Die Kinder würden glücklich sein! Und die Angestellten - Licht aus! Verwackelte Fotos wurden erst gewaschen und dann gelöscht. Hoppla. Hallodri. Hallo Dirk.
Na schön. Na halblang. Na auf eine ganz perfide Art wie Würstchenbude. Ich komme Dir dann mal in die Quere. Und wie oft. Und wie so oft. Ein offenes Geheimnis umgerannt, auf offener Straße, ich hab das anders gesehen! Das Anders war an diesem Tag wie immer abends um die Häuser, weil niemand es mehr herein lassen wollte. Wir wollen es nicht mehr, Anders. Kopfschüttelnd machte sich Anders also dann davon, bis er in dieser schicksalsschweren Brunftstunde endlich seinen Elch wiederfand. Schaufelluder, verkreuztes!
Donnerstag, Juni 19, 2008
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Wehmut bis die Wand platzt
Gemach, Gemach, die Kammer kommt schon noch. Will heißen: auch kleine Schritte machen Krach, wenn die Diele es will. Dielen machen Schwielen. Schwere Zeiten für Leuchtmatrosen. In die Wanten, Junge! In die Wanten! Abwenden und Tee trinken. Das Leichtfeuer ist noch längst nicht bis in die Mitte abgesunken, da frisst immer noch zu wenig Glut, die lange Zeit im Ofen hat sie schläfrig gemacht, die Glut. Will kein Hund mehr sein, will keine Kaninchen nur im Schlaf, und dann wieder aufgewacht ganz der Diener, wir sind es zufrieden, minheer. Gebt Leine, hat er vom Rand geschrien, und reingefallen ist er doch. Weiter Sturz. Langes Elend. Unauffällig bleiben heisst auch ohne Aufprall weiterleben und die wesentlichen Organe bei sich zu behalten. Winter: Keimzeit für Unerfahrene. Sommer: Brennt. Früher sind wir aufgestanden, wenn ein Älterer den Raum betreten hat. Dann sind wir zu unseren Raumschiffen gegangen und haben fürchterlich abgeraucht und ab dafür, raumgreifend wie gehabt. Aber das war ein anderes Ding.
Eine verstellte Aussicht ist noch lange kein Grund, die Mädchenfrage zu stellen. Jetzt, wo der Bach am Rauschen ist wegen der geplatzten Bierflaschen. Überhaupt ist jedem der Kopf gewaschen worden, der nicht lange darüber nicht nachgedacht hat. Mund voller Seife, und da mach mal die Zunge drüber, wie das glitscht. Enorme Fliehkraft in der Backentasche, ein Swing wie er in der Buche steht. Also stand. Am Stand der Dinge ist schon wieder Schlussverkauf, unumgänglich, dass sich jemand eine blaue Nase holt bei der vielen Schnieferei. Trotzdem, alles ganz friedlich heute. Und gestern, gestern war Schweinebauch. Da soll man noch Lachfalten können. Das prallt doch alles ab! Rumkugeln, aber hallo!
432
Heute ist ein guter Tag. Die Kasematten haben Urlaub und sind abgedüst. Alles frei. Nur braune Erde, wo der ganze Beton war. Und ein Blick, sagenhaft. Wir haben uns gleich mal hingelegt und die Sonne Gas geben lassen, und nur manchmal haben wir etwas spitzäugisch den Himmel belinst. Ob sie wohl wiederkommen, und womöglich gleich auf uns drauf. Kasematten sind nicht gerade berühmt für Ihr Feingefühl. Sie kennen ja nichts anderes.
Die Vielfalter sind auch wieder auf Tour, und passt Du nicht auf ist es um Dich geschehen und um Deine schöne Eindimension. Klipp-Klapp, Viel-Falt, und weg. Weiter wird einem nichts mehr geschehen, in diesem Laptop-Leben, weiter wird einem nichts mehr klar, in dieser GraupenZeit, wo die Monokel wieder drohen, weiter wird einem nichts eröffnet. Nichts gesagt bekommen ist auch so ein Ding für bemitleidenswerte Ungeheuer.
Also doch: lieber Heuer als gar kein Geld. Lieber nie als noch. Lieber vergessen als bedauern. Lieber verfressen als verfahren. Lieber Abschied nehmen als die Hand geben. Lieber auf einen Grund warten als die Ufer vollzustehen. Lieber Fahnen einrollen als Handtücher trocknen. Lieber Feuer machen als auf Ampeln steigen. Lieber Gräber verpflanzen als Grasbüschel sortieren. Lieber unter Röcke als über dies.
Streng gläubig und doch verschieden, streng genommen tot, man muss es so sagen in diesem Zustand, das Grüne Leuchten haben wir uns anderes vorgestellt, mit ein wenig weniger Geruch. Nasenflügel wachsen einem nicht zu, die muss man sich biegen, in die rechte Form, nach Vorliebe und Häufigkeit. Also welcher Haufen, wo und wann. Nicht die Größe ist entscheidend, das Funktionieren und Arretieren der Muskeleinheit, die macht den Unterschied. Sonst hält man es nicht aus, und platzt vor Neuigkeit, die ist dann aber eigentliche eine gewesene, verwesene. Unter Graugänsen hält sich nebenbei wieder hartnäckig das Gerücht vom Schwarzen Kater, der die Grüne Fee verlassen hat, die Stiefel hängen aber noch an der Wand. Keine Kratzer, die Krallen sind zur Armee (was für ein Witz: eingezogen worden, ha ha HA!), das Schlemmerfrühstück für zwei ist fürs erste abgesagt, meine Frau ist noch in der Mauser.
(S.P.: Die Sternrübe war ein kapitaler Irrtum der Prävolution. Wächst einfach in die falsche Richtung, nur weil da unten so viel Nacht ist! So ein Ding!)
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