Sonntag, August 30, 2009

514

ein stück seife, und dazwischen papier

aber da ist noch gelächter
von unterwegs von unter den tischen
sternentod wie hohler schleier gerafft
wie hohe stirn gefaltet
wie mit bleiernem traktat
gehorsam schweigt sich durch das gedächtnis
ein schmutziger besucher mit würgendem blick
nur wie den hausrat überwinden
die schlangen auf linoleum
ich war reissuppenkönig
unter den ofenringen und
dem knistern der wand
die echospur in meinem zimmer

Dienstag, Juni 02, 2009

513

Gemeinplatz, also immer druff!

Schon mal wieder. Schlechtes Gewissen. Viel zu lange in dem Einmachglas, mit dem Froschkostüm, und keine Leiter. Das kann nichts werden. Das kann ja einfach nichts werden. Ich bin nicht unterwegs gewesen. Ich bin nicht angekommen. Ich hänge immer noch zwischen den Seilen an dieser Brücke, auf die man mich geschickt hat, um sie zu reparieren, wobei man inzwischen vergessen hat, dass es mich gibt. Die Luft ist dünn hier oben! Aber keine Ahnung, den ersten Mittelscheitel habe ich mir verdammt nochmal selbst gezogen, das war vielleicht keine clevere Entscheidung, aber es war immerhin eine! (Ausrufezeichen)

Sonntag, April 26, 2009

512

Mein Freund heißt Kamel

Ich im Weiß das der Maler übriggelassen hat
für die Zeit für das Bild nach dem Schnee
versprich mir nur nicht wieder alles
das Fleisch der Sonne hängt bauchig in den unruhigen Tag
wir wären Engel, wenn man die Flügel nicht für anderes gebraucht hätte
später wollte man sich die Zunge herausnehmen
Abgott (nichts weniger als das, ach geben Sie nur reichlich)
was hätten wir denn noch zu tun in dieser Nacht der Eingeweihten
letzte Versuche sich herauszureden, aber der Schweiß läuft wie ein wildes Kind
(Ahornknabe, Muschelleib)
Irrlicht inmitten schwankender Blumenwälder (Fehlfarben!)
jemand hält mir Kornblumen über den Asphalt
Unschärfe heisst das, wenn die Schatten im Kopf
dunkel drohende Terrassen bilden, steil in die Mittagshitze verkeilt
(Bürgerfassade!)
ich werfe mich seitwärts
in die kleine Spalte lichtgrünes Meer

511

Sonntag rennt, Dienstag fehlt ein t

Wie Nachtrausch den Tag verharscht
schneetrockene Yetizunge (ein pelziger Igel)
Tierhäute im Kopf
mit den Augen der Taube spähend
es heißt eine Richtung einzunehmen
Dachschräge und das Rot eines brennenden Morgenmantels,
habt acht, habt neun, habt Seilspuren in meine Wangen gepresst
(ich war so vernarrt in dieses Gefühl!)
was schlägst Du vor, was schlägst Du zurück
ein Licht aus dem Fensterglas wie ein drohender Blick
schwarze Tränen und ich stehe auf
mit dem Licht unter meinen Sohlen und den Schwalben
in der Brust

510

So lange nichts und dann sowas

Wieder Luft geholt
Wasser ist zum waschen und genug da
etwas Wärme aus den Achseln kitzeln
Sprühflasche werktags, Schokolade heiß und innig
ich bin der Grubenkönig, unten alles voller Gold
keine halbe Sache, meine Stimme schläft wie meine Geschichten
auch wenn es aussieht als ruhten sie sich nur aus
wenigstens war der Tag heute wie sauber mit dem Messer geschnitten
eine Scheibe Brot, erst weiß, dann schwarz!

Montag, März 09, 2009

509

Eisenwahn und Mörtelschliff

Ich habe mir neue Schuhe auf dem Flohmarkt gekauft. Schöne braune Schuhe, mit Fell gefüttert. Das Fell ist nicht echt, und die Schuhe haben Wasserflecken, aber das ist nicht wichtig. Ich laufe jetzt schöner mit den neuen Schuhen. Nicht besser vielleicht, aber schöner. Am schönsten stehe ich mit den neuen Schuhen. Das sieht richtig gut aus und wird von allen, die an mir vorüberlaufen während ich so dastehe, bewundert. Schau, wie schön der Mann da steht, sagt die Mutter zu ihrer kleinen Tochter. Ja, nickt die Tochter, das liegt an seinen schönen Schuhen. Ich will auch solche, ruft das Kind dann empört und schreit wie am Spieß, bis ihre Mutter sie weiterzieht zu dem Flohmarkt und sie dort gegen ein neues stilleres Kind umtauscht. Das neue Kind läuft auch sehr schön. Es geht anmutig und lässt sich von den Umgehenden bewundern. Am allerschönsten ist es aber, wenn das neue Kind einfach nur still dasteht und mit großen Augen die Welt betrachtet. Dann sind wir uns einig. Das Leben ist schön. Und alles wird gut.

Freitag, März 06, 2009

508

Onkel Ottos Wiedergänger

Immer wieder fiel ihm ein Grund ein, wie man noch besser auffallen konnte, oder warum. Warum der Bäcker nie grüne Socken getragen hatte. Warum Einzelzellen auch keine Lösung waren. Warum seine Stirnfalte keine seismographischen Elemente enthalten wollte. Warum Immobilienmakler sich ihre Nutz- und Wertlosigkeit bezahlen ließen, und warum das dann für sie selbst doch wieder einen Sinn ergab. Warum alle einen Anteil hatten. Und warum sich ihm schon im Alter von dreieinhalb Jahren die alles entscheidende Frage gestellt hatte.

Das interessierte nur keinen.

(Tannenbaum, oh Tannenbaum. Bist Du zu klein, lohnt sich das Hanf ja kaum.)


Betragen & Betrügen 2009

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