Berlin, wir rufen die Hauptstadt, Kopfkunst: bitte kommen!
Wenn die Touristen Ihre Frauen so festhalten, könnte man meinen, sie hätten Angst um ihre Wintervorräte. Wackelwülste, Wiegeschritt, von Schnaufenberg. Wieviel wiegt eigentlich der Flieger, der euch hierher geschaukelt hat? Auf die Teller, hoch die Tassen. Es frisst sich die aufglockende Masse durch den Damm, Kuhdamm, Kreuzweih, heilige Hirschen im finsteren Tal, versegnete Büsche und beregnete Mädchen. Die Herzen jauchen in trüber Zahnklammerung, auf dem Dach die Antennen vom Werbefernsehen drehen sich mit dem Wind. Es wird Sommer gegeben!
Lau oder warm, blau oder gelb, zäh stürzen die Schwefelmasten auf halblang, die Unternehmensbeiräte verlangen mehr Würdigung ihrer heiligen Person, die Gewählten sind unruhig, abgeordnet rumoren sie in den Parlamentsschubladen, jemand hat die Schlüssel verlegt, und aus Kostengründen ist alles wieder eingedampft. Pfeifenkopf. Keine Wahl. Niemand hat eine Wahl. Hauchdünn legt sich Schweigegold auf die hohen Häuser und niederen Massen, halten Sie den Mund, halten Sie Ihren Mund fest zu, ist besser so, die Blitzbecher sind bereits auf den Rücken der Soldaten, auf den Schneeleoparden, und der weiße Fleck im Auge Ihres Nachbarn ist das erste Zeichen. Feind schafft. Freund schläft. Neutrale beobachten.
Donnerstag, März 08, 2007
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Aus Stimmen ein Wort
Das Weg ist klar
Der Ziel ist reif
Die Wein fließt
aus den Wunden der Häuser wie ein Wurmgebinde. Rotwurm, Lindwurm
Höllerisch, höllisch, einfach rubine, simple Cherubime, und die Welt glitzert
Auch so eine, auch nur so eine, kleine Eva, kleines Pferd, mittelweißer Herd
Am Herd stehen heute unsere Träume (zu Hauf)
Was haben wir früher zusammen gelacht
Heute stehen wir bloß noch in die Ecken und schauen
was die anderen nicht weggekehrt haben
obwohl sie doch das Blech von uns haben
Und inmitten und aus mattem Hausblech und wie oft und vergrünen und begründen
Grauenhafte Weibergeschichten, Kleiderordnung, Klaubergrün, Weiberblau
Meine Hosen sind unten zugebunden
Kann die Wärme nicht herausfallen, und die Haare richten sich besser
Wie sieht das aus mit den ganzen Haaren unten raus, wie bei einer kaputten Unterhose!
Zaunkönig! Zeisig! Haltet bloß euer Geflügel im Zaum, ihr Wellenreiter!
Streikbrecher!
Montag, März 05, 2007
272
Immer eine Enteisung wert
Altes Tapetentier, an der Tür, an der Wand, es lauert überall und streckt Dir sein Papiergebiss entgegen. Brauchst Du was Stoff, Alter? Nein, aber Leinwand. Eine Wand weiter nähen sie ihre Toten ein. Hängen sie in die Rahe, als Segelfutter für die Sturmspinne. Abgemalte Maler, leergeträumte Philosophen, ausgesungene Kollorateure, alles haben ihren Anteil, um sich damit den Hintern abzuwischen. Haben Sie etwas Glanz für mich? Nein, keinen der abfärbt. Mich treibt hier nur der reine Schein. Nehmen sie Hirnschale, Halbschale, oder Klangschale. Siechen. Oder so: Sachen. Sachen gibt’s. Wer´s glaubt. Wer klaubt die Äpfel unterm Baum, wenn drei Tage zuvor der Teerlaster die Straße herauf gekrochen kam wie ein öliger Käfer. Hier ist alles Wirtschaften geworden, der Profit lebt im durchklimatisierten Gartenhaus. Hinter jedem Baum steht eine Zahl, in jedem Unternehmer wohnt ein faulig leuchtendes Stück Holz. Glauben Sie bloß nicht den Märchenonkeln. Wölfe pflegen keine Partnerschaft. Am wenigsten mit Lämmern.
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Inständige Vertretung oder: Füße aus meinem Gesicht!
Die Kunst hat keinen Mantel. Die Kunst klappert aber mit den Zähnen. Das ist Musik. Der Bürger lacht. Die Kunst klappert. Der Bürger wirft ein paar Scheine in die Kunstbrotdose. Dann lacht er wieder. Die Kunst bedankt sich und friert weiter. Die Kunst hat kalte Hände. Die Kunst hat keinen Mantel. Der Mantel hängt an der Tür. Die Tür hängt im Schloss. Der König liegt im Bett und schläft. Goldene Zeiten. Schweres Unvermögen. Dunkles Regieren: die Angst ist ein langsames Bitzen. Kunstvoll. Kunst voll. Wir sind zu viele. Wer brauchts schon die ganze Kunst. Ein Eimer tät uns reichen.
Sonntag, März 04, 2007
270
Brücke zum Verlassen des Käfigs
Die aktuelle Reißprobe lautet: Biegemoment. Wieviel Kraft braucht es um einen einsfünfundsiebzig großen Körper soweit zu krümmen, dass er so gerade noch biegt und noch nicht bricht, aber dadurch beständig in die von dem oder der Biegenden gewünschte Form kommt?
Und wieviel an Energie ist nötig bei einer Menge an Körpern, zufällig oder willkürlich?
Ingenieure sind gefragt. Materialkenner. Massenmeister. Mengenmanipulierer.
Es braucht viel Geduld, eine Menge zu sammeln.
Es braucht viel Geld, eine Menge zu halten.
Es braucht eine Menge an Zeit und befremdlicher Energie, eine Menge zu beschwören.
Und jetzt aufgebracht, nein aufgepasst: Eine Menge ist keine Zahl.
Eine Menge ist mit etwas Sonne zufrieden.
Eine Menge kümmert sich nicht.
Eine Menge braucht Leine und Leitung.
Was stehen Sie hier herum?
Holt Frauen. Kinder. Besorgt Kinder. Verlacht. Verflacht. Verknallt. Verfrachtet.
Luke zu. Und wir haben noch Platz. Und viele Luken.
Samstag, März 03, 2007
269
Einkreuzen oder: Üben auf Verdacht
Wer hat die schönsten Schäfchen?
wer hat die größten Schühchen?
wer hat das dümmste Pferd?
Zwerg Nase und sein Gesicht
Zwerg Nase hat ein Gesicht
auch Zwerg Nase hat ein Gesicht
bloß denen im Schatten, denen glaubt man nicht
im Niedergang der Gefühle wohnt auch die Hinterlist
Vorderfrucht
aufblühender Verstand
aufopfernder Widerstand
erschießen, das Vieh
Müll im Kopf streut sich besser auf die Felder
auf die Schädelstätten, Schädelberg
Golgatha, Schädelberg
Knochenhöhe
und die Zähne am Berg graben sich ein
in das Gedächtnis der Erde
in die Mutter gebissen
in den Fels verkrallt bis in das ausgekratzte Mark
und ein ganzes Ende voller Elend
eintreffen der Stämme gegen viertel vor acht
tiefe Seufzer in flacher Umgebung
bis zum Beinstumpf verbrannte Sitzgelegenheiten
Ende. Elend. Gemeinschaft. Bier.
Donnerstag, März 01, 2007
268
Aufstallen, den Gaul!
Einmal im Monat ist der Pepe gelb wie der Kälberstrick, wie das Stück Hüttenkäse in seinem Keller. Heimweh, sagen dann die Leut aus dem Dorf, die einen zumindest. Die anderen sagen Hausschmerz, und meinen etwas ganz anderes. Dem Pepe ist es egal. Er schleppt sich in der Mittagssonne von Wand zu Wand, und während aus den Esszimmern das Kreuzweh der Betschwestern klagt, schmachtet der Pepe nach etwas, das er selber nicht so genau erkennt.
Bloß einer weiß, was dem Pepe wirklich ist. Der Pepe, sagt der alte Kufenreisser und wirft seine alte ausgebrannte Pfeife zu den anderen auf den großen Haufen hinter dem Haus, der Pepe war schon als Kind ein rechter Pirat. Dann lehnt sich der alte Kufenreisser zurück in die Bergsonne und wartet darauf, dass ihm der Frider von oben vom Berg den Rucksack voller Pfeifen bringt. Die hat ihm der Herrgottschnitzer aus der Klause gemacht, wie jedes Jahr. Aber mit einem Vergeltsgott und Berg behüt! wird der Kufenreisser diesmal nicht davonkommen. Der Herrgottschnitzer hat nämlich einen Fernsichtapparat geschenkt bekommen. Und weiß jetzt, was handgeschnitzte Pfeifen in Tokyo kosten. Schlechte Zeiten, denkt der Kufenreisser. Na, und wenn schon, denkt er sich noch. Morgen wird er sich den Pepe greifen. Und dann auf mit ihm zum Wolfgangsee, dicke Touristen kapern und Lösegeld fordern.
Vorsichtig rückt der Kufenreisser sich die schwarze Augenklappe zurecht. Dann stützt er sein Kinn auf den eisernen Haken. Piraten. Was wussten die Dörfler schon von der Welt. Die Totenkopfflagge hinter dem Haus flattert. Der Berg schaut. Bald ist wieder Schnee. Zuhaus und zu Hauf. Landauf und landab.
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