Brummkreisel, doppelseitig
Wir waren dann mal gegenüber, auf der Seite der Gewinner. War aber alles leer. Waren schon fort. Nur die Papp- und Stellwände pappten und stellten sich noch gegen den Wind, aber der ist ja immer irgendwie. Der Wind ist ja immer. Wo habe ich nur meinen Kopf? Wie habe ich mir den Kopf stillgehalten? Für anderes hatten wir immer Zeit. Und es sieht nicht so aus, als ob sich etwas ändern wollte. Und ein Stilbruch ist noch lange kein Zuckerschlecken. Fragen Sie einen Stuhl!
Sonntag, August 30, 2009
515
514
ein stück seife, und dazwischen papier
aber da ist noch gelächter
von unterwegs von unter den tischen
sternentod wie hohler schleier gerafft
wie hohe stirn gefaltet
wie mit bleiernem traktat
gehorsam schweigt sich durch das gedächtnis
ein schmutziger besucher mit würgendem blick
nur wie den hausrat überwinden
die schlangen auf linoleum
ich war reissuppenkönig
unter den ofenringen und
dem knistern der wand
die echospur in meinem zimmer
Dienstag, Juni 02, 2009
513
Gemeinplatz, also immer druff!
Schon mal wieder. Schlechtes Gewissen. Viel zu lange in dem Einmachglas, mit dem Froschkostüm, und keine Leiter. Das kann nichts werden. Das kann ja einfach nichts werden. Ich bin nicht unterwegs gewesen. Ich bin nicht angekommen. Ich hänge immer noch zwischen den Seilen an dieser Brücke, auf die man mich geschickt hat, um sie zu reparieren, wobei man inzwischen vergessen hat, dass es mich gibt. Die Luft ist dünn hier oben! Aber keine Ahnung, den ersten Mittelscheitel habe ich mir verdammt nochmal selbst gezogen, das war vielleicht keine clevere Entscheidung, aber es war immerhin eine! (Ausrufezeichen)
Sonntag, April 26, 2009
512
Ich im Weiß das der Maler übriggelassen hat
für die Zeit für das Bild nach dem Schnee
versprich mir nur nicht wieder alles
das Fleisch der Sonne hängt bauchig in den unruhigen Tag
wir wären Engel, wenn man die Flügel nicht für anderes gebraucht hätte
später wollte man sich die Zunge herausnehmen
Abgott (nichts weniger als das, ach geben Sie nur reichlich)
was hätten wir denn noch zu tun in dieser Nacht der Eingeweihten
letzte Versuche sich herauszureden, aber der Schweiß läuft wie ein wildes Kind
(Ahornknabe, Muschelleib)
Irrlicht inmitten schwankender Blumenwälder (Fehlfarben!)
jemand hält mir Kornblumen über den Asphalt
Unschärfe heisst das, wenn die Schatten im Kopf
dunkel drohende Terrassen bilden, steil in die Mittagshitze verkeilt
(Bürgerfassade!)
ich werfe mich seitwärts
in die kleine Spalte lichtgrünes Meer
511
Wie Nachtrausch den Tag verharscht
schneetrockene Yetizunge (ein pelziger Igel)
Tierhäute im Kopf
mit den Augen der Taube spähend
es heißt eine Richtung einzunehmen
Dachschräge und das Rot eines brennenden Morgenmantels,
habt acht, habt neun, habt Seilspuren in meine Wangen gepresst
(ich war so vernarrt in dieses Gefühl!)
was schlägst Du vor, was schlägst Du zurück
ein Licht aus dem Fensterglas wie ein drohender Blick
schwarze Tränen und ich stehe auf
mit dem Licht unter meinen Sohlen und den Schwalben
in der Brust
510
Wieder Luft geholt
Wasser ist zum waschen und genug da
etwas Wärme aus den Achseln kitzeln
Sprühflasche werktags, Schokolade heiß und innig
ich bin der Grubenkönig, unten alles voller Gold
keine halbe Sache, meine Stimme schläft wie meine Geschichten
auch wenn es aussieht als ruhten sie sich nur aus
wenigstens war der Tag heute wie sauber mit dem Messer geschnitten
eine Scheibe Brot, erst weiß, dann schwarz!
Montag, März 09, 2009
509
Eisenwahn und Mörtelschliff
Ich habe mir neue Schuhe auf dem Flohmarkt gekauft. Schöne braune Schuhe, mit Fell gefüttert. Das Fell ist nicht echt, und die Schuhe haben Wasserflecken, aber das ist nicht wichtig. Ich laufe jetzt schöner mit den neuen Schuhen. Nicht besser vielleicht, aber schöner. Am schönsten stehe ich mit den neuen Schuhen. Das sieht richtig gut aus und wird von allen, die an mir vorüberlaufen während ich so dastehe, bewundert. Schau, wie schön der Mann da steht, sagt die Mutter zu ihrer kleinen Tochter. Ja, nickt die Tochter, das liegt an seinen schönen Schuhen. Ich will auch solche, ruft das Kind dann empört und schreit wie am Spieß, bis ihre Mutter sie weiterzieht zu dem Flohmarkt und sie dort gegen ein neues stilleres Kind umtauscht. Das neue Kind läuft auch sehr schön. Es geht anmutig und lässt sich von den Umgehenden bewundern. Am allerschönsten ist es aber, wenn das neue Kind einfach nur still dasteht und mit großen Augen die Welt betrachtet. Dann sind wir uns einig. Das Leben ist schön. Und alles wird gut.
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