Sonntag, Juli 09, 2006

132

blau
pinkelt mir
die phantasie ins grau
macht mir einen
strich
durch die rechnung

131

und das gelbe licht der häuser
fällt uns abends vor die füße
hingeworfen wie ein müder blick
nehmt euch was ihr braucht
aber nehmt euch nichts zu herzen
eine mutter weiter ist wieder glaube im haus
und der minister schickt die soldaten
ihm den weg zu räumen für seinen schönen wagen
uns schweinevieh borsten sich die widerworte
in den hals und in den mund
wir bersten still
platzen stumm vor uns hin

Samstag, Juli 08, 2006

130

glaubst du wenn du still bist
wird man dich nicht sehen

glaubst du wenn du klein bist
wird man dich nicht hören

glaubst du wenn du lieb bist
wird man dich nicht bestehlen

glaubst du wenn du arm bist
wird man dich nicht hassen

dann glaubst du auch dass
wenn man rote hemden trägt
wird man präsident

Freitag, Juli 07, 2006

10X12(et 9)

dann ist ihm ein gedanke groß geworden, dass der tod nämlich nichts als eine tür sei, eine kleine schiefergraue tür in einer wild bewucherten mauer, ein grauer fleck im saftigen sich himmelwärts türmenden grün, eine kleine unscheinbare, schmutzige tür, und während er noch dachte warf sich ihm schwer die angst auf den gedanken, dass er den tod als klein und schmutzig bedacht hätte, und dass der ihm das übel nehmen könnte, und das schon bald. zu bald.

Donnerstag, Juli 06, 2006

10X12(et 8)

hoch auf schrägt das zukunftsdach
so nah am überschau
hält die liebe not dann wieder
unsere schultern eng zusammen und
die gehende generation staunt still
vor dumpf stehenden gewässern
flaches gelächtert und hinterstirnig
begräbt sich die wut
aber wo dunkel eine bitte ist
glüht manchmal ein weg
und nur ein könig findet nichts am zaun
(ein könig lässt suchen)
ganz bürgerlich zählt jetzt nur eins:
fort und im weitesten sinn schritte zu machen
so mühsam das bein sich auch hebt
bei meinem entenverstand

Samstag, Juni 10, 2006

10X12(et 7)

kam heim und

da war es ein

sch-recksgetier

im späten zimmer guckt mir mit halb verwirrtem was

willsten frag ich das

sch-recksgetier

aber es hält die

zähner zischestille und krocht mir

nah noch näher da nehm ichs mir fest

vor und werf es weit

mit einem blick zum hoch

ins nachtgehimmel wo der

mond so eben seine blauschimmel wieder

auf die milchglasweide

chict

Freitag, Juni 02, 2006

10X12(et 6)

mondänes gloriolen und wie seegras wogt das geschopf
schwarzäugend biegt das rehliche sichergehend durch die manege
aber nicht mal halb hebt es den kalbenden geschäftlern das stiere blicken
an der ecke schäumt die straße über vom hitzigen verkehr
(mit verlaub: das sind mir bäume, herr schatten)
bis sich mir ein brisen lächelnd in die beine fährt
zwei flundern weiter porschen sie sich die angst aus dem bauch
trinken am ku´damm wattierten kaffee und machen gute miene
im goldverzurrten mundwinkelnde manie
keiner für sich genug
jeder wie jede und alle allein


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